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Stabilisator Köstner räumt im Mai den VfL-Stuhl

Wolfsburg (dpa) - 25.02.2010, 12:39 Uhr

Dieter Hoeneß (l) besichtigt das Training von Coach Lorenz-Günther Köstner.
Dieter Hoeneß (l) besichtigt das Training von Coach Lorenz-Günther Köstner.

Interimstrainer Lorenz-Günther Köstner hat den VfL Wolfsburg wieder auf Kurs gebracht, doch der deutsche Fußball-Meister verhandelt schon mit möglichen Nachfolgern. «Wir führen bereits konkrete Gespräche», bestätigt Manager Dieter Hoeneß.

Hoeneß will trotz des Aufwärtstrends zur kommenden Saison einen neuen Coach haben. Seit der Beurlaubung von Armin Veh im Januar geisterten Namen wie Huub Stevens, Matthias Sammer und Guus Hiddink durch Wolfsburg. Lokale Medien sehen inzwischen im ehemaligen HSV- und jetzigen Ajax-Coach Martin Jol den Favoriten von Hoeneß und des VfL-Mutterkonzerns VW. Auch Gerard Houllier und Sven-Göran Eriksson seien potenzielle Gesprächspartner, berichteten die «Wolfsburger Nachrichten», obwohl Hoeneß zuletzt einen international renommierten Coach ausgeschlossen hatte.

Namen kommentiert er aber wie gewohnt nicht. «Wir haben einige Kandidaten, die gerne zu uns kommen würden. Das ist schon mal positiv», sagt Hoeneß dazu nur. Geht es nach dem VfL-Macher, soll der neue Mann bald vorgestellt werden. «Bis Ende April wäre eine Entscheidung gut, auch im Hinblick auf die Personalplanung zur kommenden Saison.» Köstner rückt im Sommer wieder ins zweite Glied und übernimmt das Regionalliga-Team. «Alle wissen, dass ich nur ein Interimstrainer bin», sagt Köstner selbst, obwohl er den VfL zunächst stabilisiert und schließlich die mehr als dreimonatige Sieglos-Serie mit dem 2:1 gegen Schalke beendet hat.

Inzwischen ist seine Handschrift deutlich zu erkennen. Mit mutigen Personalentscheidungen ging Köstner Risiko ein, behielt jedoch Recht und verschaffte sich Respekt. Nachdem Ersatztorhüter André Lenz, der den verletzten Stammkeeper Diego Benaglio zunächst sicher vertreten hatte, beim 1:2 in Leverkusen patzte, nahm ihn Köstner kurzerhand aus dem Tor und gab dem 22 Jahre alten Marwin Hitz eine Chance.

Mancher schüttelte den Kopf. Immerhin ist der 36 Jahre alte Lenz Mitglied des Mannschaftsrats und verfügt über großes Ansehen. Auch bei Weltmeister Andrea Barzagli blieb Köstner, der sich zuvor schon mit Spielmacher Zvjezdan Misimovic angelegt hatte, kompromisslos. Der Coach hatte wenig Verständnis dafür, dass Barzagli wegen der Geburt seiner ersten Tochter nach Italien reiste und deswegen das schwere Spiel in Leverkusen verpasste. Seitdem setzt Köstner in der Abwehr auf den Tschechen Jan Simunek, der unter Veh überhaupt keine Rolle gespielt hatte. «Barzagli hat in der Meistersaison alle Spiele mitgemacht. Von daher ist es nicht einfach für ihn», sagt Köstner.


Doch er kann auch anders. Stürmerstar Grafite, wochenlang im Dauertief, stellte er beharrlich weiter auf, bis beim Brasilianer der Knoten platzte und er zuletzt vier Tore in vier Tagen schoss. Der Spagat zwischen Zuckerbrot und Peitsche funktioniert: Hitz hielt in der Bundesliga fehlerfrei, Misimovic spielte nach des Trainers Schelte deutlich besser und Simunek agierte zuletzt in starker Form.

«Die eine oder andere Veränderung hat gut getan», lobt Hoeneß, der sich für Köstner stark gemacht hatte. «Fakt ist, dass in dieser Mannschaft wenig Leben drin war und dieses Leben langsam, aber sicher wieder zurück kommt.» Nun gibt es auch Lob von ganz oben. «Das, was Dieter Hoeneß vorhergesagt hat, ist eingetroffen. Die Entscheidung war absolut richtig», sagt Aufsichtsratschef Francisco Javier Garcia Sanz. Doch zum Saisonende ist trotzdem wieder Schluss für den Stabilisator.

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