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Schiedsrichter erneuert Vorwürfe gegen Amerell

Hamburg (dpa) - 23.02.2010, 14:11 Uhr

Michael Kempter gestikuliert während einer Bundesliga-Partie 2008.
Michael Kempter gestikuliert während einer Bundesliga-Partie 2008.

Schiedsrichter Michael Kempter hat in mehreren Interviews die Vorwürfe der sexuellen Belästigung durch den ehemaligen DFB-Funktionär Manfred Amerell erneuert.

Der 27-Jährige erklärte zudem, warum er sich erst nach einiger Zeit an Verantwortliche beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) wandte und zuvor nichts gesagt hatte. «Ich hatte einfach Angst um meine Karriere als Schiedsrichter. Und ich habe mich geschämt. Ich habe versucht, es zu verdrängen, aber es kam immer wieder hoch. Und als ich gemerkt habe, dass es noch mehrere Fälle gibt, habe ich mich durchgerungen, etwas zu sagen», sagte Kempter der «Bild»-Zeitung.

Amerell, der vor seinem Rücktritt von allen Ämtern Mitglied im Schiedsrichter-Ausschuss des DFB war, bestreitet alle Vorwürfe. Zu den teilweise sehr intimen neuen Aussagen von Kempter werde sich Amerell erst in der anberaumten Verhandlung vor dem Landgericht München I äußern, erklärte sein Anwalt Jürgen Langer. «Manfred Amerell wird am 4. März die Antworten geben», sagte Langer der Deutschen Presse-Agentur dpa. Verhandelt wird über den Verfügungsantrag Amerells gegen den DFB auf zukünftige Unterlassung einzelner Behauptungen, die der DFB im Rahmen einer Pressemitteilung getätigt hatte. Zu Kempters Interviews meinte Langer: «Michael Kempter war nicht gut beraten, solche Äußerungen zu tätigen.»

Beim Deutschen Sportfernsehen DSF meinte Kempter Richtung Amerell, dass «auf alle Fälle» die Abhängigkeit vorhanden gewesen sei. «Er hat die Ansetzungen in der Regionalliga gemacht und ich war abhängig davon, dass ich von ihm Spiele bekomme», sagte er. «Mir wurde schon auch mal gedroht, dass manches Auswirkungen auf die Ansetzungen haben kann, und da war ich schon immer eingeschüchtert.»

Am 17. Dezember ging Kempter deswegen zum Vorsitzenden des DFB- Schiedsrichter-Ausschusses, Volker Roth. Kempter legte bis dato eine Karriere im Eiltempo hin. Mit 23 Jahren absolvierte der Unparteiische aus Sauldorf im August 2006 als jüngster Bundesliga-Schiedsrichter sein Debüt und wurde im vergangenen Dezember als Nachfolger von Herbert Fandel FIFA-Schiedsrichter.


In der vergangenen Woche hatte Amerell betont, dass er in seiner Position Schiedsrichter, die in der 3. oder der 2. Liga pfeifen und in die Bundesliga wollten, nicht dorthin habe befördern können. «Das ist keine Entscheidung von Manfred Amerell, zu sagen, der kommt hoch und der nicht», sagte er über sich selbst.

Amerell hatte in einer Mitteilung am 12. Februar geäußert, «tief betroffen und schockiert» zu sein von den Vorwürfen. «Ich habe in der Vergangenheit zu keinem Zeitpunkt einen jungen Bundesliga- Schiedsrichter sexuell belästigt», schrieb der 62-Jährige. Amerell erklärte, dass sich aus den «zunächst rein sportlichen Kontakten» im Laufe der Zeit auch eine intensive private Freundschaft mit Kempter entwickelt habe. «Größten Wert lege ich dabei auf die Feststellung», dass er ihn «zu keinem Zeitpunkt gegen seinen Willen zu dieser freundschaftlichen Beziehung gezwungen habe.»

Kempter soll bereits im März wieder pfeifen. Angst vor der Rückkehr auf den Fußballplatz hat er nicht. «Ich hoffe, dass es so schnell wie möglich weitergeht. Es gibt für mich nichts Größeres als die Schiedsrichterei», sagte er der «Frankfurter Rundschau» und der «Berliner Zeitung».

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