HSV fehlt Schwung, Eintracht Frankfurt Ruhe
Hamburg (dpa) - 21.02.2010, 10:06 Uhr
Hamburgs Ze Roberto (r) und Frankfurts Selim Teber (M) kämpfen um den Ball.
Vor dem Spiel gab es Fünf-Sterne-Wellness, ein Bad im Eiswasser und einen Gemeinschaftsabend im Kino, nach dem Spiel war von Wettbewerbsverzerrung die Rede. Die «Doppelschicht» des Hamburger SV gegen den PSV Eindhoven und gegen Eintracht Frankfurt hatte die Gemüter erregt. Das kraftlose 0:0 gegen die Hessen trotz anderthalbtägigen intensiven Erholungsprogramms war wohl auch ein Resultat des kurz zuvor abgespulten Europa-League-Spiels. «Das geht gar nicht, dass wir 40 Stunden nach einem schweren Spiel noch ein Spiel haben», protestierte HSV-Abwehrakteur Joris Mathijsen. Fakt ist jedoch: Den Hamburgern hatte es auch schon gegen Eindhoven an Spielwitz und Ideen gemangelt. HSV-Trainer Bruno Labbadia hatte trotz der mäßigen Vorstellung seines Teams zunächst keine Nebenwirkungen der Terminhatz ausgemacht, gestand dann aber: «Das ist ein Wettbewerbs-Nachteil gegenüber dem Gegner, der top ausgeruht ist.» In der Tat waren die Frankfurter spritziger, wacher, giftiger. «Wir hätten auch gewinnen können», befand Eintracht-Trainer Michael Skibbe. Seine Mannen hatten Vorteile in den Zweikampfführung und stellten den HSV mit einer straff organisierten Defensive vor Probleme. Vorn wurde Publikumsliebling Ruud van Nistelrooy vermisst, dem Labbadia wegen einer Adduktorenzerrung Schonung auferlegte. «Es ist wichtig, ihn langsam aufzubauen», begründete der Trainer seine Vorsichtsmaßnahme.
Der Ärger über zwei verlorene, weil eigentlich fest eingeplante Punkte, saß verständlicherweise tief in den Köpfen der Hanseaten. «Natürlich ist das ein großer Rückschlag für uns», lautete das Fazit von Piotr Trochowski. «Zur Spitze müssen wir nicht mehr gucken. Das Einzige, worauf wir schauen müssen, ist der dritte Platz», meinte Mladen Petric. Aber selbst der könnte zur Fata Morgana werden, wenn der HSV weiterhin so schludrig mit seinem Punktekonto umgeht. Daheim haben die Norddeutschen von zwölf Partien lediglich sechs gewonnen - das ist zu mager für einen Champions-League-Aspiranten. Für die Eintracht ist die große europäische Bühne zwar kein Thema, wohl aber die kleine. Nur eine Niederlage in zehn Spielen - das ist schon passabel und bringt die Hessen in Reichweite zu den Europa- League-Plätzen. «Wir verbessern uns immer mehr. Wer weiß, was noch drin ist in dieser Saison», sagte Eintracht-Abwehrspieler Maik Franz. Vor dem Hintergrund des seit Monaten anhaltenden Aufwärtstrends erscheint der Zwist der Eintracht-Protagonisten so überflüssig wie ein Kropf. Trainer Skibbe will neue Spieler, Vorstandschef Heribert Bruchhagen lehnt Einkäufe ab. «Hier gibt es nur Bruchhagen, Bruchhagen, Bruchhagen», hatte der Trainer genörgelt. In den direkten Gesprächen, sagte Bruchhagen, gehe es immer höflich zu, in den Zeitungsinterviews könne man gelegentlich aber einen anderen Eindruck gewinnen. Dennoch, versicherte Bruchhagen, sei das Verhältnis zum Trainer «nicht nur ein produktives, sondern es ist sogar ein gutes».
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