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Pauli-Präsident kritisiert DFB im Fall Amerell

Hamburg (dpa) - 18.02.2010, 13:56 Uhr

FC St. Paulis Präsident Corny Littmann kritisiert den DFB.
FC St. Paulis Präsident Corny Littmann kritisiert den DFB.

Der Präsident des Zweitligisten FC St. Pauli, Corny Littmann, hat den Deutschen Fußball-Bund (DFB) wegen dessen Verhalten im Fall Manfred Amerell scharf kritisiert.

«Ich finde das sehr unglücklich, wie der DFB bisher damit umgegangen ist. In der Vergangenheit ist viel geredet worden, man müsse Tabus brechen, einen offenen Umgang mit Schwulen praktizieren. Allein es scheint sich in der Praxis etwas schwieriger darzustellen als bislang gedacht wurde», sagte Littmann der Deutschen Presse- Agentur dpa. Daher sieht der 57-Jährige den früheren Bundesliga-Schiedsrichter Amerell, dem vorgeworfen wird, mindestens einen Referee sexuell belästigt zu haben, «als Täter und Opfer des Systems zugleich». Amerell hat alle Vorwürfe zurückgewiesen.

«Er ist sicherlich das Opfer eines Verbandes, der große Probleme hat, mit der Sexualität seiner leitenden Funktionäre umzugehen. Drei Wochen mit Vermutungen durch die deutsche Medienöffentlichkeit gezerrt zu werden, ist alles andere als erquicklich», sagte Littmann, der angibt, homosexuelle Unparteiische im Profi-Fußball zu kennen. Er ist der einzige Prominente aus der 1. oder 2. Liga, der sich offen zu seiner Homosexualität bekennt.

«Schwule Schiris sind nicht wohlgelitten im deutschen Schiedsrichterwesen, wenn sie sich offen verhalten. Deshalb ist es verständlich, dass sich Herr Amerell in seinen Aussagen sehr zurückgehalten hat. Für Menschen, die sich in so einem Umfeld bewegen, sind das schlicht Überlebensstrategien», sagte Littmann.

Für den Unternehmer und Theaterbesitzer ist Amerell in einer Zwickmühle: «Sein Verhalten hat mit unseren gesellschaftlichen Umständen und dem Verhalten des DFB zu tun. Welche Chance hat er überhaupt? Wenn er nicht über seine Sexualität reden will, hat er genau genommen keine.»


Die Außendarstellung des früheren Mitglieds des Schiedsrichterausschusses sei nicht verwunderlich: «Ein typischer Konflikt, in dem sich viele Schwule befinden, sich nicht outen zu wollen, dafür verständliche private Gründe haben und in dem Moment, wo die Position, die Abhängigkeit, Amtsmissbrauch ins Spiel kommen, gut daran täten, offener umzugehen, aber dazu nicht in der Lage sind.» Amerells Verhalten sei typisch für jemanden, der jahrelang nicht offen mit seiner Sexualität umgegangen sei.

Auch das Vorgehen der DFB-Spitze um Präsident Theo Zwanziger sieht Littmann kritisch: «Man kann das formal betrachten und feststellen, dass Manfred Amerell von seinen Ämtern zurückgetreten ist. Damit macht man sich das relativ einfach.» Insgesamt reime es sich zu einer «äußerst unglücklichen Umgangsweise» zusammen. «Der Vergleich Zwanzigers vom Abhängigkeitsverhältnis zwischen Lehrer und Schüler hinkt. Darauf wird es sich nicht reduzieren lassen», bemängelte Littmann.

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