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Für Hertha-Coach Funkel zählt nur Freiburg-Spiel

Berlin (dpa) - 18.02.2010, 11:12 Uhr

Hertha-Trainer Friedhelm Funkel dirigiert seine Mannschaft.
Hertha-Trainer Friedhelm Funkel dirigiert seine Mannschaft.

Die Gänsehaut, die Friedhelm Funkel nach dem Job-Angebot von Hertha BSC überkommen hatte, ist längst weg. Doch von Frust, gar von Aufgeben will der 56-jährige Fußball-Lehrer trotz der wachsenden Kritik auch an seiner Person nichts wissen:

«Abgerechnet wird nach dem 34. Spieltag», sagt Funkel immer wieder, als wolle er nicht nur seinen Spielern und den Berliner Fans, sondern auch sich selbst Mut machen. Es geht um das sportliche Überleben für Hertha BSC angesichts von 33 Millionen Euro Verbindlichkeiten; der Auftritt in der K.o.-Runde der Europa League gilt da eher als unangenehmes Beiwerk für das Bundesliga-Schlusslicht. Das Kellerduell am Sonntag in Freiburg sei «eminent wichtig», hat Funkel eine Art allerletztes Endspiel ausgerufen im Kampf gegen die Resignation. Der Europacup passte da nicht ganz «in den Plan».

Funkel weiß: Der Bonus, den er durch den totalen Saison-Fehlstart seines Vorgängers Lucien Favre lange Zeit hatte, ist aufgebraucht. «In fünf Spielen haben wir fünf Punkte auf den Relegationsplatz aufgeholt. Geht das in den nächsten fünf Spielen genauso weiter, wären alle zufrieden», hat der als Retter verpflichtete Cheftrainer nach dem jüngsten 1:1 gegen Mainz gesagt. Es war bereits das dritte Heim-Remis in der Rückserie, die der abgeschlagene Letzte unter das Motto «Aufholjagd» gestellt hatte. Bei den Fans und im Verein selbst fühlten sich die verpasste Chancen an wie Niederlagen. «Um den Abstand zu verringern, brauchen wir Siege», betonte Manager Michael Preetz, nach dessen Anruf Funkel vor viereinhalb Monaten noch die viel beschriebene Gänsehaut bekommen hatte.

Der Trainer, der schon in Uerdingen, Duisburg, Rostock, Köln und Frankfurt das Gefühl kennenlernen durfte, auf einem Schleudersitz Platz genommen zu haben, hat sich in Berlin inzwischen eine dicke Haut zugelegt. Der Plauderton, den Funkel in den ersten Wochen in Berlin pflegte, ist fast trotzigen Kommentaren gewichen. «Ich bin so lange im Geschäft, das ich weiß, dass das eine oder andere geschrieben wird, ich es aber nicht immer glaube», sagte Funkel zu der jüngsten Vorwürfen, er ließe zu mutlos und zu defensiv agieren. Die Vorbehalte, er sei nur der Fußball-Arbeiter und ihm würden Inspiration und Visionen fehlen, hatte der gebürtige Neusser schon mit nach Berlin gebracht. Funkel aber ist von seinem Kurs überzeugt, «alles andere ist nicht so interessant für mich».

Einiges hat der erfahrene Trainer inzwischen durchaus erfolgreich korrigiert bei Hertha: In Favres einstige U23-Auswahl hat er mit dem erfahrenen Lewan Kobiaschwili, dem tschechischen Abwehr-Recken Roman Hubnik und dem einstigen Bundesliga-Torschützenkönig Theofanis Gekas Stützen eingezogen. Die Abwehr, in der ersten Saisonphase noch ein Torso, hat in der Liga zu Stabilität gefunden. Doch Funkel bleibt auch Funkel: Das letzte Risiko sucht er nur in allerletzter Not, selbst jetzt noch. Eigene Fehler weist er zurück, ob es sich um die längste Winterpause aller 18 Bundesligisten handelte oder die Vorsichts-Taktik gegen Mainz. Zweifel lässt er nicht zu.

«Wichtig ist, dass die handelnden Personen von der Rettung überzeugt sind», erklärte Funkel und führte an: «Wir haben in fünf Spielen den Rückstand auf Platz 16 halbiert. Alle hätten wir gewinnen können.» Nur eins seiner bisher 15 Spiele als Hertha-Coach hat Funkel insgesamt gewonnen - für einen Retter einfach zu wenig.


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