Während der DFB-Chef klarstellte, dass sein Verband keine juristischen Schritte gegen Amerell plane, weil das verbandsinterne Verfahren abgeschlossen sei, bliebe den Betroffenen und Amerell nur der Klageweg. «Wenn die Beteiligten noch Bedarf zur Klärung haben, gibt es dafür strafrechtliche und zivilrechtliche Mittel. Und wenn ein Gericht sagt, dass wir die Akten herausgeben sollen, dann tun wir das», sagte Zwanziger. Die von Amerells Anwalt Jürgen Langer beantragte Akteneinsicht habe das DFB-Sportgericht abgelehnt. Auf die Zukunft des 27 Jahre alten FIFA-Schiedsrichters Kempter angesprochen, sagte Zwanziger: «Er soll wieder pfeifen.» Er gehe davon aus, dass Kempter in naher Zukunft wieder eingesetzt werde. Derweil will der frühere FIFA-Referee Herbert Fandel binnen eines Monats Vorschläge für eine Neustrukturierung des Schiedsrichterwesens unterbreiten. Bis zur DFB-Präsidiumssitzung Mitte März solle eine Vorlage erarbeitet werden, sagte Fandel der Deutschen Presse-Agentur dpa am Mittwoch. Wie seine Ex-Schiedsrichter-Kollegen Hellmut Krug und Lutz Michael Fröhlich gehört Fandel einer neu eingesetzten DFB- Kommission an, die nach den Vorwürfen gegen Amerell die bisherigen Strukturen im Schiedsrichterwesen kritisch prüfen soll. Das Ganze müsse «möglichst schnell» geschehen, erklärte Fandel: «Es muss aus meiner Sicht sehr schnell Alltag einkehren.» Eines ist für den EM-Referee von 2008, der im vorigen Sommer seine Bundesliga-Karriere beendet hatte, klar: «Mit Sicherheit wird das Beobachtungswesen einer Prüfung unterzogen.» Einen ersten Vorschlag hat Fandel bereits unterbreitet. Um «mehr Offenheit und Transparenz» zu erlangen, habe er angeregt, dass die Bundesliga-Referees zweimal im Jahr ein Treffen mit der Liga und den Trainern abhalten sollen, berichtete der Konzertpianist aus Kyllburg. «Wir wollen die aktiven Schiedsrichter in die Entscheidungsprozesse einbeziehen.» Schalke-Trainer Felix Magath sprach sich für die Einführung von professionellen Referees aus. «Wir haben eine Profiliga, dazu gehören Profi-Schiedsrichter. Warum diese zum DFB und nicht zum Ligaverband gehören, kann ich nicht verstehen», sagte der 56-Jährige dem Fachblatt «Reviersport» und plädierte für die Eingliederung der Unparteiischen in die Deutsche Fußball Liga (DFL). DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach sagte in einem Interview der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung»: «Die entscheidende Fragestellung ist klar definiert: Wie kann das Schiedsrichterwesen transparenter gemacht werden, und wie können Abhängigkeitsverhältnisse verhindert werden? Wir können nicht jedes Fehlverhalten verhindern, aber es darf nie lange unerkannt bleiben.»
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