Mitleid und Mitgefühl statt überschäumender Freude: Glücklich sah Per Mertesacker trotz der 5:1-Galavorstellung von Werder Bremen nicht aus. Eher nachdenklich, fast zerknirscht.
«Das sind keine leichten Stunden», sagte Bremens Nationalspieler, nachdem er mit Werder seinen ehemaligen Club vorgeführt und geradezu gedemütigt hatte. Das Debakel gegen Werder Bremen lässt Hannover 96 weiter in Richtung 2. Fußball-Bundesliga taumeln, nach der siebten Niederlage in Serie schwindet die Hoffnung auf Besserung. «Die sind alle sehr niedergeschlagen», berichtete Mertesacker über die Stimmung bei seiner ehemaligen Mannschaft: «Ich wünsche dem Club alles Gute, mehr kann ich nicht tun.»
Der Werder-Verteidiger hätte allen Grund zu guter Laune gehabt. Seine Bremer spielten sich in der ersten Halbzeit fast in einen Rausch, nahmen die Hannoveraner nach allen Regeln der Fußball-Kunst auseinander und schossen Tor um Tor. «Wir haben unsere Überlegenheit durch Tore sprechen lassen», sagte der in der 96-Jugend groß gewordene Mertesacker. Die Treffer von Peter Niemeyer (11.), Naldo (18.), Leon Andreasen (26./Eigentor), Aaron Hunt (44.) und Claudio Pizarro (68.) drückten das Übergewicht der Bremer nur unzureichend aus. Die Hannoveraner, die durch den Ex-Bremer Christian Schulz (59.) zum Ehrentreffer kamen, wirkten hoffnungslos überfordert.
«Es war relativ ruhig», beschrieb Mertesacker die Abwehrarbeit der Bremer und sagte auf sein sauberes Trikot angesprochen: «Es gab nicht viele Situationen, bei denen man schmutzig werden konnte.» Werder durfte wie im Training kombinieren, die Tore fielen fast von alleine.
«Nach dem 0:1 sind wir in eine Schockstarre gefallen», kommentierte der neue 96-Trainer Mirko Slomka, mit dem Hannover in vier Spielen vier Niederlagen kassierte. «Wir sind ziemlich auseinandergenommen worden. Wir haben die erste Halbzeit komplett versagt.» So hilflos sein Team auf dem Platz auftrat, so ratlos wirkte Slomka und antwortete auf die Frage, welcher Spieler seiner Mannschaft eine ordentlich Leistung abgeliefert habe: «Keiner!»
In seiner Verzweiflung versuchte der Fußball-Lehrer, die zweite Halbzeit schön zu reden und lobte den eingewechselten Robust- Fußballer Altin Lala: «Er hat gezeigt, dass man auch mal einen Zweikampf eingehen und gewinnen kann.» Die Bremer hatten da schon längst zwei Gänge heruntergeschaltet, um sich für das Europa-League- Spiel in Enschede zu schonen.
Nicht nur Mertesacker, auch die anderen Werder-Profis waren sichtlich bemüht, nach dem dritten Pflichtspiel-Sieg nacheinander keine Euphorie aufkommen zu lassen. «Wir haben schon mal den Fehler gemacht, uns auf hohen Siegen auszuruhen», sagte Mertesacker. Nach dem 6:0-Sieg in Freiburg begann Bremens zwischenzeitlicher Absturz mit nur zwei Zählern aus sieben Partien. «Wir sollten nicht schon wieder anfangen zu träumen», warnte Torsten Frings. Der Kapitän sagte trotz der Überlegenheit: «Jetzt sind wir bereit, den Gegner niederzukämpfen.» Auch für die nächste Spiele soll gelten: «Erst kommt der Kampf, dann das Spielerische.»