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Nürnberg schimpft und hadert: «Moral im Keller»

Mönchengladbach (dpa) - 13.02.2010, 10:32 Uhr

Nürnbergs Torwart Raphael Schäfer gestikuliert nach dem Tor von Gladbachs Colautti (r).
Nürnbergs Torwart Raphael Schäfer gestikuliert nach dem Tor von Gladbachs Colautti (r).

Die Spieler und Offiziellen des 1. FC Nürnberg schimpften wie die Rohrspatzen. Die miserable Situation im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga und die eigene mäßige Leistung konnten Franken dennoch nicht wegdiskutieren.

«Wir werden bestimmt nicht beschönigen, dass die Mannschaft sehr schlecht gespielt hat, aber der Schiedsrichter traf in einer wichtigen Situation eine falsche Entscheidung gegen uns», sagte Sportdirektor Martin Bader. Im Fokus des Ärgers über die 1:2 (0:1)-Niederlage des «Clubs» bei Borussia Mönchengladbach lag der Siegtreffer der Gastgeber durch Rob Friend, der nach Meinung der Gäste irregulär war. Schiedsrichter Florian Meyer aus Burgdorf gab das Tor. Die Nürnberger verpassten es somit erneut, den 17. Tabellenplatz zu verlassen.

Bevor der Kanadier Friend nur 40 Sekunden nach seiner Einwechselung in der 74. Minute traf, war Nürnbergs Keeper Raphael Schäfer in einem Luftkampf mit dem Gladbacher Karim Matmour im Fünfmeterraum zu Fall gekommen. «Das geschah im Hoheitsgebiet des Torwarts. Fast jeder im Stadion hat gesehen, dass der Treffer nicht hätte zählen dürfen», meinte auch «Club»-Trainer Dieter Hecking. Bader zog am Freitagabend sogar in Erwägung, beim Deutschen Fußball- Bund (DFB) zu beantragen, dass Meyer keine Spiele mehr mit Beteiligung der Franken leiten soll. «Das war nicht der erste Vorfall, die Ehe zwischen Meyer und Nürnberg ist keine glückliche», sagte der Sportdirektor, der diesen Plan aber sogleich wieder verwarf: «Das hat keinen Sinn.»

Noch tiefer saß bei Bader und Hecking aber der Frust über die eigene Mannschaft, die sich im ersten Abschnitt in einem desolaten Zustand präsentierte. «Die Schuld für die Niederlage dürfen wir nicht beim Schiedsrichter suchen, denn wir waren vor der Pause richtig schlecht», erklärte Hecking. Der Coach bemängelte insbesondere den «körperlosen» Auftritt seiner Elf: «Wir wollten spielerische Lösungen finden, das war aber kein probates Mittel.» Heraus kamen Ballverluste am Fließband. Für Gladbach war angesichts der großen Chancenfülle vor der Pause mehr drin als nur das 1:0 durch Roberto Colautti (27. Minute), das Albert Bunjaku (47.) vor 34 297 Zuschauern im Borussia- Park ausgleichen konnte. «Wir haben die erste Hälfte völlig verschlafen und nicht die richtige Einstellung zum Spiel gefunden», meinte Mittelfeldspieler Andreas Ottl.

Angesichts des kommenden Heimspiels am nächsten Samstag gegen den FC Bayern München befürchten die Franken, dass sie sich nicht allzu schnell aus der Abstiegszone befreien werden. «Durch Erlebnisse wie in Gladbach, rutschen Selbstvertrauen und Moral immer tiefer in den Keller», sagte Bader. Hecking durfte zumindest anmerken, dass die verbesserte Leistung nach der Pause, Anlass zum Optimismus gebe: «Es spricht für die Mannschaft, dass sie zurückkommen kann.» Nürnberg fand im Spielverlauf zwar seinen Rhythmus, blieb aber dennoch ohne sprühende Ideen und vermochte nur bedingt, die solide Gladbacher Defensive unter Druck zu setzen.

Torschütze Friend wollte in der strittigen Szene kein Foulspiel gesehen haben und freute sich über den «hochverdienten Sieg». Angesichts von nunmehr zwölf Punkten Vorsprung zu Nürnberg befinden sich die Gladbacher in einer komfortablen Tabellensituation. «Wir freuen uns, gehen damit aber behutsam um», befand Borussia-Trainer Michael Frontzeck. Stolz ist er auf seine Alternativen im Kader. «Joker» Friend schoss das Siegtor, zudem fand sich der 19 Jahre alte Rechtsverteidiger Tony Jantschke in seinem ersten Saisoneinsatz in der Startformation blendend zurecht. «Unser guter Nachwuchs ist ein Faustpfand, das wir weiter fördern», meinte Frontzeck.


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