«Aus den zunächst rein sportlichen Kontakten entwickelte sich im Laufe der Zeit schließlich auch eine intensive private Freundschaft», so Amerell. «Größten Wert lege ich dabei auf die Feststellung», dass er diesen Schiedsrichter «zu keinem Zeitpunkt gegen seinen Willen zu dieser freundschaftlichen Beziehung gezwungen habe». Amerell räumte ein, dass es sicherlich ein Fehler gewesen sei, diese Freundschaft so eng werden zu lassen. «Die Beziehung war jedoch rein privat, persönlich und völlig unabhängig von meinem Amt im DFB-Schiedsrichterausschuss», schrieb Amerell weiter. In der Mitteilung, die über seinen Anwalt verbreitet wurde, zitierte Amerell auch aus einer Handy-Kurznachricht, die ihm der Referee Mitte Januar geschickt haben soll. Amerells Anwalt Jürgen Langer sagte im DSF, er prüfe «natürlich bereits zivilrechtliche Schritte in alle Richtungen, um dieser immensen Rufschädigung von Herrn Amerell und seiner Familie entgegen zu wirken». Er forderte den DFB auf, «Ross und Reiter» zu benennen, wann konkret irgendwelche sexuellen oder strafrechtlich relevanten Handlungen vorgenommen worden sein sollen. «Dann wird man danach die weiteren Maßnahmen ausrichten», sagte Langer. Von «sexuellen Nötigungen oder anderen Dingen, die da momentan im Raum stehen», sei «nicht ansatzweise etwas ersichtlich». Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Augsburg sagte am Freitag der Deutschen Presse-Agentur dpa, dass bislang keine Tatsachen bekannt seien, die die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens rechtfertigen. Ein Kommunikations-Hickhack innerhalb des DFB in dieser Angelegenheit hatte erst am Mittwoch den DFB-Vizepräsidenten Rainer Koch dazu veranlasst, seine Zuständigkeit für das Schiedsrichterwesen im DFB-Präsidium abzugeben. Als Nachfolger ist Hermann Korfmacher im Gespräch, der im DFB-Präsidium bisher für den Amateurbereich zuständig ist und sich zudem mit dem Wettskandal beschäftigte. «Es würde Sinn machen, wenn sie die Aufgaben tauschen», sagte DFB-Vizepräsident Karl Rothmund. Koch hatte seine Entscheidung damit begründet, dass der Vorsitzende des DFB-Schiedsrichterausschusses, Volker Roth, bereits am 17. Dezember 2009 über die Vorwürfe informiert worden sei. Nach eigenen Angaben erfuhr Koch erst am 3. Februar davon. Bescheid wusste indes bereits DFB-Präsident Theo Zwanziger, den Roth knapp einen Monat nach Bekanntwerden der Vorwürfe unterrichtet hatte. Amerell sei am 1. Februar zu einer Unterredung gebeten worden. «Das Präsidium wurde am 4. Februar unterrichtet, der zuständige Vizepräsident Dr. Rainer Koch wurde von mir ausführlich am 3. Februar telefonisch informiert, da er sich zu der Zeit - wie ich wusste - bereits seit einigen Tagen in Amerika aufhielt», sagte Zwanziger und appellierte, «im Sinne der Personen verantwortungsbewusst mit dem Thema umzugehen».
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