Schiedsrichter-Funktionär Amerell tritt zurück
Hamburg (dpa) - 12.02.2010, 16:42 Uhr
Manfred Amerell bietet nach den Vorwürfen seinen sofortigen Rücktritt an.
Der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter Manfred Amerell hat nach schweren Vorwürfen gegen ihn seinen sofortigen Rücktritt von allen DFB-Ämtern angeboten. Der 62 Jahre alte DFB- Funktionär wies in einer schriftlichen Stellungnahme erneut entschieden die Anschuldigung zurück, er habe einen jungen Bundesliga-Referee sexuell belästigt. Sein Anwalt erklärte, dass sich Amerell rechtliche Schritte in alle Richtungen vorbehalte. «Ich bin enttäuscht, dass meine Privatangelegenheiten in völlig falschen und diskreditierenden Zusammenhängen an die Öffentlichkeit getragen werden. Nachdem ich aber für Glaubwürdigkeit und vertrauensvolle Zusammenarbeit im Schiedsrichterwesen stehe, will ich mich der Verantwortung stellen», schrieb Amerell, der Mitglied im DFB-Schiedsrichterausschuss war. Er habe daher den Verantwortlichen des DFB und des Süddeutschen Fußball-Verband den Rücktritt angeboten.
Der Deutsche Fußball-Bund hat Amerells Rücktritt begrüßt. «Wir nehmen den Schritt zur Kenntnis und halten ihn für richtig und notwendig, weil Erkenntnisse vorliegen, die leider die im Raum stehenden Vorwürfe gegen Herrn Amerell bekräftigen», teilte der DFB in einer Presseerklärung mit. Dies sei das Ergebnis von Anhörungen der vergangenen Tage. «Ob die von Herrn Amerell über seinen Anwalt verbreiteten Äußerungen unter diesen Umständen klug waren, möchten wir unkommentiert lassen», schrieb der DFB. Amerell nahm zu den Vorwürfen ausführlich Stellung. Er sei «tief betroffen und schockiert», erklärte er. Die öffentlich gemachten Vorverurteilungen, Verdächtigungen und Spekulationen hätten ein Ausmaß angenommen, das für ihn und seine Familie nicht mehr erträglich sei. |
«Ich habe in der Vergangenheit zu keinem Zeitpunkt einen jungen Bundesliga-Schiedsrichter sexuell belästigt», schrieb der 62-Jährige. Er erklärte, dass er zu dem betreffenden Referee, «dessen sportlichen Werdegang ich in den letzten Jahren begleitet habe, ein sehr gutes Verhältnis» hatte. «Aus den zunächst rein sportlichen Kontakten entwickelte sich im Laufe der Zeit schließlich auch eine intensive private Freundschaft», so Amerell. «Größten Wert lege ich dabei auf die Feststellung», dass er diesen Schiedsrichter «zu keinem Zeitpunkt gegen seinen Willen zu dieser freundschaftlichen Beziehung gezwungen habe». Amerell räumte ein, dass es sicherlich ein Fehler gewesen sei, diese Freundschaft so eng werden zu lassen. «Die Beziehung war jedoch rein privat, persönlich und völlig unabhängig von meinem Amt im DFB-Schiedsrichterausschuss», schrieb Amerell weiter. In der Mitteilung, die über seinen Anwalt verbreitet wurde, zitierte Amerell auch aus einer Kurznachricht per Handy, die ihm der Referee Mitte Januar geschickt haben soll. Ein Kommunikations-Hickhack innerhalb des DFB in dieser Angelegenheit hatte erst am 10. Februar den DFB-Vizepräsidenten Rainer Koch dazu veranlasst, seine Zuständigkeit für das Schiedsrichterwesen im DFB-Präsidium abzugeben. Als Nachfolger ist Hermann Korfmacher im Gespräch, der im DFB-Präsidium bisher für den Amateurbereich zuständig ist und sich zudem mit dem Wettskandal beschäftigte. «Es würde Sinn machen, wenn sie die Aufgaben tauschen», sagte DFB- Vizepräsident Karl Rothmund in Barsinghausen. Koch hatte seine Entscheidung damit begründet, dass der Vorsitzende des DFB-Schiedsrichterausschusses, Volker Roth, bereits am 17. Dezember 2009 über die Vorwürfe informiert worden sei. Nach eigenen Angaben erfuhr Koch erst am 3. Februar davon. Bescheid wusste indes bereits DFB-Präsident Theo Zwanziger, den Roth knapp einen Monat nach Bekanntwerden der Vorwürfe unterrichtet hatte. Der DFB-Chef hatte in einem Interview auf der Verbands-Homepage erklärt, dass er am 19. Januar ein Gespräch mit Roth geführt habe, um die Angelegenheit zu erörtern. Am 29. Januar sei es dann zu einer «intensiven Telefonkonferenz» gekommen. Amerell sei am 1. Februar zu einer Unterredung gebeten worden. «Das Präsidium wurde am 4. Februar unterrichtet, der zuständige Vizepräsident Dr. Rainer Koch wurde von mir ausführlich am 3. Februar telefonisch informiert, da er sich zu der Zeit wie ich wusste bereits seit einigen Tagen in Amerika aufhielt», sagte Zwanziger und appellierte, «im Sinne der Personen verantwortungsbewusst mit dem Thema umzugehen».
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