Schalke nimmt Kurs auf Europa
Gelsenkirchen (dpa) - 31.01.2010, 10:13 Uhr
Rakitic, Kuranyi und Sanchez freuen sich über das 1:0.
Die Verfolger abgeschüttelt, mit dem Spitzenduo auf Tuchfühlung - für den FC Schalke 04 war der erste Bundesliga-Sieg über 1899 Hoffenheim ein Meilenstein in der Saison. «Ich schaue mehr auf Platz sechs und sieben als nach oben», sagte Trainer Felix Magath nach dem verdienten 2:0 (1:0)-Erfolg durch Tore von Kevin Kuranyi (19.) und Lukas Schmitz (49.). Doch selbst der schon auf 13 Punkte gewachsene Vorsprung auf die Ränge, die am Ende nicht mehr zur Europapokal-Teilnahme berechtigen, beruhigt Magath noch nicht. «Ich weiß, dass noch 14 Spiele zu absolvieren sind. Wir müssen zusehen, den Abstand weiter zu vergrößern.» Solche Sorgen hätte der ehemalige Schalke-Trainer und jetzige 1899-Coach Ralf Rangnick derzeit auch gern. Nach dem verlorenen Duell der beiden erfolgreichsten «königsblauen» Bundesliga-Trainer (beide hatten mit Schalke zuvor denselben Punkteschnitt von 2,0 erreicht) war Rangnick bedient. Vom spielerischen Glanz im Aufstiegsjahr, als der «Emporkömmling» und Herbstmeister die Liga mit begeisterndem Tempofußball verzückte, ist wenig geblieben. Sieben Spiele ohne Sieg, vier Niederlagen in Serie, noch ohne Tor in der Rückrunde, Platz neun - die triste Realität heißt Mittelmaß. «Es wäre Fantasterei, sich jetzt mit den Europapokalplätzen zu beschäftigen», stellte Rangnick ernüchtert fest. Jeder sei «frustriert und unzufrieden». Eines der Hauptprobleme sei: «Wir tun uns schwer mit dem Toreschießen.»
Darüber hinaus haderte Rangnick zurecht mit einem «glasklaren», von Referee Florian Meyer aber nicht gegebenen Elfmeter nach Foul von Vicente Sanchez an Andreas Beck (46.). Selbst Magath konstatierte nach Ansicht der TV-Bilder verschmitzt: «Es sieht so aus, als wenn Sanchez nicht den Ball trifft.» Dabei habe der «Schiedsrichter den Elfer schon gepfiffen, sich aber vom Assistenten an der Linie umstimmen lassen», monierte Rangnick. «Sonst machen wir wahrscheinlich den Ausgleich. Stattdessen kriegen wir kurz darauf das 0:2 und das Spiel ist praktisch entschieden.» Seine Hoffnung: «Jetzt kommen Gegner, die wir in der Hinrunde geschlagen haben.» Die Mannschaft brauche dringend ein Erfolgserlebnis, meinte Torhüter Timo Hildebrand, und fügte drastisch hinzu: «Aber wir müssen jetzt den Arsch hochkriegen und Gas geben.» Beim Tabellen-Dritten, der den fünften Zu-Null-Heimsieg (8:0 Tore) nacheinander feierte, ist die Stimmung nach dem kleinen Rückschlag beim 2:2 in Bochum wieder bestens. Alle waren zum Scherzen aufgelegt. «Ich hatte mit ihm eigentlich verabredet, dass er zwei Tore macht. Er muss aufpassen, dass das nicht bald Konsequenzen hat», scherzte Magath im «Sky»-Interview über Torschütze Kuranyi, der später konterte: «Ich hoffe nicht, dass da etwas kommt.» |
Der Stürmer hatte beim etwas kuriosen 1:0 allerdings gleich doppelt Glück. Freimütig gab Kuranyi zu, dass er den an Hildebrand vorbeigespitzelten Ball eigentlich «querlegen» wollte. Und bedankte sich beim frei stehenden Sanchez, weil dieser den Ball nicht selbst über die Torlinie drückte und Kuranyi so dessen elften Saisontreffer überließ. «Er macht die Tore besser denn je. Wir sind froh, dass er bei uns geblieben ist», lobte Torhüter Manuel Neuer den Angreifer, der in fünf der sechs vergangenen Spiele traf und neben dem seit Wochen überragenden Jefferson Farfan glänzt. Der Peruaner schielt im Gegensatz zu Magath übrigens nicht nur nach unten. Auf den Titel angesprochen, meinte Farfan: «Dafür arbeiten wir. Alles ist möglich.» Ein Wechsel von Rafinha noch vor dem Ende der Transferperiode ist vom Tisch. «Er wird bei uns die Rückrunde auch weiterspielen», sagte Magath. Der brasilianische Rechtsverteidiger war vor allem von Magaths früherem Club VfL Wolfsburg umworben worden, doch die Vereine konnten sich nicht über einen Transfer einigen. Der 24 Jahre alte Abwehrspieler, der kurz vor Ende des Partie mit einer Adduktoren- Verletzung ausschied, betonte sogar, dass er seinen Vertrag beim Fußball-Bundesligisten erfüllen will: «Ich bleibe bis 2011.»
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