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Werder sucht willige Kicker: «Totale Katastrophe»

Mönchengladbach (dpa) - 31.01.2010, 09:59 Uhr

Der Bremer Trainer Thomas Schaaf gestikuliert hilflos am Spielfeldrand.
Der Bremer Trainer Thomas Schaaf gestikuliert hilflos am Spielfeldrand.

Werder Bremen kann den freien Fall nicht abbremsen und ist endgültig im Mittelmaß der Fußball-Bundesliga angekommen.

«Im Moment ist alles eine totale Katastrophe», fasste Nationaltorwart Tim Wiese die Misere zusammen und schimpfte über das streckenweise desolate Erscheinungsbild, das der DFB-Pokalsieger gerade abliefert. Nach der 3:4 (2:4)-Niederlage im Auswärtsspiel bei Borussia Mönchengladbach und der fünften Pleite nacheinander gerät die Zielsetzung, in den Europapokal einzuziehen, immer mehr außer Sichtweite. «Das wird ganz schwer. Wir haben alles vergessen, was uns mal stark gemacht hat», sagte Werder-Manager Klaus Allofs frustriert.

Vor allem im ersten Abschnitt konnte Gladbach die überforderte Bremer Defensive geradezu auseinandernehmen. Bei den Treffern durch Marco Reus (4. Minute), Roberto Colautti (13.) und Raul Bobadilla (18./35.), der auch die ersten beiden Tore der Borussia vorbereitete, leistete Werder keinen nennenswerten Widerstand. «Wir haben richtig schlecht gespielt, ohne Gegenwehr, ohne Körperkontakt», sagte Allofs. Mesut Özil (26.), Claudio Pizarro (40.) und Torsten Frings (85., Foulelfmeter) verhinderten zwar ein Debakel der Norddeutschen, doch die Aufholjagd wurde vor 47 458 Zuschauern am Samstag nicht gekrönt.

Auch Trainer Thomas Schaaf wirkte ratlos. «Wir müssen uns fragen, wie wir das stoppen können. Wir spielen nicht strukturiert genug, um solche Partien gewinnen zu können.» Völliges Unverständnis äußerte er über die erste halbe Stunde, in der Werder nach schon 18 Minute glatt 0:3 hinten lag und kollektiv versagte. Immer wieder nutzten die taktisch gut eingestellten Gladbacher die Räume in der allzu offensiv agierenden Bremer Abwehr zu schnellen Angriffen. Neuzugang Aymen Abdennour aus Tunesien präsentierte sich ebenso desorientiert wie Per Mertesacker. «Wir brauchen elf willige Kicker und können keinen aus der Kritik herausnehmen», meinte der deutsche Nationalverteidiger.

Alleine der Auftritt nach der Pause mache etwas Mut für die kommenden Aufgaben. «Wir wiederholen unsere Fehler, müssen aber die positiven Aspekte mitnehmen und intensiv arbeiten», befand Mertesacker. Trotz nunmehr sieben Spielen in Serie ohne Sieg soll die Qualifikation für die Europa League nicht aus den Augen verloren werden. «Auch wenn es momentan sehr schlecht aussieht, dürfen wir das nicht abhaken», meinte Allofs angesichts von bereits sieben Punkten Rückstand zum fünften Tabellenplatz. Eine kurzfristige personelle Verstärkung, um dieses Ziel zu erreichen, sei aber kein Thema: «Wir haben weder die Notwendigkeit, noch die finanziellen Möglichkeiten.»

Geht aber auch das Heimspiel am Freitag gegen «Schlusslicht» Hertha BSC verloren, könnte Werder (28 Punkte) demnächst sogar von den Gladbachern (25) überholt werden. Die mussten am Ende zwar um den Sieg zittern, schafften aber einen großen Satz aus der Abstiegszone und ergötzten sich an ihrer starken Auftaktphase. «Wenn man nach einer guten Viertelstunde 3:0 führt, kann man schon den Eindruck bekommen, dass das nicht real ist», sagte Profi Tobias Levels. Coach Michael Frontzeck bescheinigte seiner Elf eine gute Entwicklung: «Manchmal entscheiden Zentimeter, aber in der Hinrunde haben wir gegen Hoffenheim eine 2:0-Führung in der Schlussphase noch hergegeben und 2:3 verloren.» Das blieb der Borussia gegen Werder erspart.


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