Trotz Remis: Köstner und Labbadia zufrieden
Hamburg (dpa) - 30.01.2010, 12:06 Uhr
Der neue Wolfsburger Trainer Lorenz-Günther Köstner am Spielfeldrand.
Wolfsburgs Ersatztorhüter André Lenz war nach dem Schlusspfiff wütend. «Es ist tragisch, in der letzten Sekunde zu verlieren nach einem Freistoß, der nicht hätte gegeben werden dürfen. Wir sind um die drei Punkte gebracht worden», schimpfte der Keeper nach dem 1:1 beim Hamburger SV. Bis zur Schlussminute schien den Niedersachsen der erste Sieg nach neun erfolglosen Partien sicher. Doch dann legte Piotr Trochowski in der Nachspielzeit seinen ganzen Frust über die Reservistenrolle in einen Freistoß und rettete dem HSV ein verdientes Remis. Vorausgegangen war der Aktion ein angebliches Foul von Makoto Hasebe an Eljero Elia. Am Vorabend seines 58. Geburtstags sah sich auch Lorenz-Günther Köstner um sein Einstandsgeschenk gebracht. «Das war am Ende sehr bitter, einen Freistoß zu bekommen, der keiner war. Nein, das darf man nicht pfeifen», sagte Wolfsburgs Interimstrainer, der sich schon voll mit dem Meisterteam identifiziert: «Nach drei Einheiten ist das schon deine Mannschaft.»
Voll des Lobes über den Kampf und das Engagement sah der Nachfolger von Armin Veh einen Neuanfang unter seiner Verantwortung. «Der Wille war da. Man hat sich wieder in die Schüsse geworfen, wir können gestärkt aus der Partie hervorgehen. Man darf das schon als Erfolgserlebnis beim starken HSV sehen.» Was ihm noch fehlte nach dem Führungstreffer durch Edin Dzeko (34.) war das entschlossene Nachsetzen, das den Meister in der Vorsaison ausgezeichnet hatte. Doch dafür mangelt es in dieser Spielzeit an Leichtigkeit und Selbstbewusstsein. Die folgenden Begegnungen gegen Bayern, Leverkusen und Schalke werden zeigen, ob der VfL wieder aufstehen kann. Immerhin präsentierte sich Grafite ein wenig wie in alten Torjäger-Zeiten, seine Schnelligkeit und der Blick für Nebenmann Dzeko war wieder da. Auch die Abwehr war in Halbzeit eins deutlich verbessert, erst in den zweiten 45 Minuten kam der Gastgeber zu zahlreichen Chancen. Dass sie alle ungenutzt blieben, ließ Trainer Bruno Labbadia auf der Bank verzweifeln. Vor allem der junge Schwede Marcus Berg versemmelte reihenweise hochkarätige Möglichkeiten. Labbadia trauerte dem verpassten Heimsieg nach, sah aber auch Gutes: «Viele Sachen haben bei uns gestimmt, wir sind sehr dominant aufgetreten und haben nie aufgegeben.» «Es darf nicht sein, dass wir so viele Chancen auslassen - das ist unglaublich. Wir hätten zehn Tore schießen können, wir haben überragend gespielt», monierte Abwehrchef Joris Mathijsen, dem ein Punkt viel zu wenig war. Dabei hat die Verpflichtung von Ruud van Nistelrooy, auf den alle ungeduldig warten, deutlich gemacht, wie groß die Ambitionen von Vorstand, Trainer und Mannschaft an der Elbe sind. «Für unsere Ansprüche ist dieser eine Punkt einfach zu wenig, weil wir eine Möglichkeit verpasst haben», analysierte Mladen Petric, der sich bei einer Topplatzierung des HSV sogar vorstellen kann, in Hamburg zu verlängern. Dass er am Saisonende nicht zum VfL wechselte, der ihm ein Superangebot unterbreitet hatte, dürfte der Stürmer nicht bereut haben.
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