VfL: Trainersuche dauert - Schuster «Wunschdenken»
26.01.2010, 16:14 Uhr
Lorenz-Günther Köstner wird beim VfL Wolfsburg vorgestellt.
Wolfsburg (dpa) - Großer Name, alter Bekannter oder Überraschung aus der zweiten Reihe - der VfL Wolfsburg will sich bei der Suche nach einem neuen Coach Zeit lassen. Auch ein längerfristiges Engagement von Interimstrainer Lorenz-Günther Köstner ist derzeit nicht ausgeschlossen. «Im Moment ist geplant, dass er wieder die zweite Mannschaft übernimmt, aber im Fußball ist alles möglich», sagte VfL-Manager Dieter Hoeneß bei der Vorstellung des 57 Jahre alten bisherigen Amateurtrainers beim deutschen Meister . «Wir müssen wieder Boden unter die Füße bekommen. Wir sind der Auffassung, dass er das kann.» Wer auf Dauer Nachfolger des nach zuletzt neun sieglosen Pflichtspielen beurlaubten Armin Veh wird, ist nach wie vor unklar. Einen Tag nach der Demission des früheren Stuttgarter Meistertrainers hat der VfL weder einen konkreten Plan noch Eile. «Wir werden uns die Zeit nehmen, die nötig ist, um diese Entscheidung zu treffen», sagte Hoeneß, der gerne bis zum Saisonende warten würde. «Idealerweise würden wir den Nachfolger gerne aus einem Kandidatenkreis auswählen, der größer ist als der Kreis derer, die aktuell auf dem Markt sind.»
Vor allem Bernd Schuster, den lokale Berichterstatter immer wieder ins Spiel gebracht hatten, bezeichnete Hoeneß als «Wunschdenken der Medien». Der Europameister von 1980 und ehemalige Trainer von Real Madrid gilt als Freund von Aufsichtsratschef Francisco Garcia Sanz. Auch über andere große Namen wie Guus Hiddink oder Marco van Basten sollen die Bosse von VfL-Eigentümer VW demnach nachdenken. «Wir haben über einige Namen gesprochen», räumte Hoeneß ein, konkrete Gespräche mit Kandidaten habe es aber noch nicht gegeben. Wolfsburger Zeitungen berichteten dagegen, dass Huub Stevens, mit dem Hoeneß bei Hertha BSC zusammenarbeitete, bereits kontaktiert worden sei. Doch der derzeitige Coach von RB Salzburg ist wohl frühestens im Sommer verfügbar. Spätestens dann würde Köstner wieder in das zweite Glied rücken. «Dann geh ich wieder zur Zweiten. Da habe ich kein Problem mit», sagte der ehemalige Bundesliga-Profi. |
Für ihn sei es «überhaupt keine Frage» gewesen, als er aufgefordert wurde, aus dem Trainingslager des Regionalliga-Teams aus Norditalien zurückzukehren. «Da gab es kein Nachdenken», sagte Köstner, dem die Begeisterung für den Job anzumerken war. «Ich kämpfe um die Sache.» Nun betreut Köstner einen Tag vor seinem 58. Geburtstag erstmals seit dem 19. Mai 2001 (mit Unterhaching bei Schalke) wieder eine Bundesliga-Mannschaft. Mit Hoeneß arbeitete er schon Anfang der 1990er Jahre beim VfB Stuttgart zusammen. 1992 wurde Köstner als Co-Trainer von Christoph Daum dort deutscher Meister. 1999 stieg er als Coach mit Unterhaching in die Bundesliga auf. Nach dem Abstieg zwei Jahre später trainierte er noch den Karlsruher SC und Rot-Weiss Essen in der 2. Liga sowie den damaligen Regionalligisten TSG Hoffenheim, ehe er zum 1. Januar 2009 die VfL-Amateure übernahm. Unmittelbar nach seiner Vorstellung leitete Köstner erstmals das Training der Profis. Hoeneß gab ihm unmissverständlich mit auf dem Weg, was der VfL nun von ihm erwarte. «Ich glaube, dass mal wieder etwas Zug und eine klare Ansprache notwendig sind», befand Hoeneß. Offenbar hat es genau in diesem Bereich unter Veh zuletzt gemangelt. Über den VfL-Absturz unter dem einstigen Stuttgarter Meistercoach Veh wollte der Manager dagegen nicht mehr sprechen. «Armin Veh ist ein sehr, sehr guter Trainer, nur hat er hier keinen Erfolg gehabt.» Den soll nun Köstner zurück bringen. «Wir brauchen einfach die Ergebnisse», sagte er. Kein leichtes Unterfangen angesichts der kommenden vier Gegner HSV, Bayern München, Leverkusen uns Schalke 04. Auch der bisherige Co-Trainer Alfons Higl verlässt den Club. Dies sei Higls Wunsch gewesen, teilte der VfL mit. Der ehemalige Profi, der bereits beim VfB Stuttgart als Assistent Vehs gearbeitet hatte, sehe sich laut Manager Dieter Hoeneß «auch in der Verantwortung für die Entwicklung». Köstner arbeitet nun mit den übrigen Assistenten Achim Sarstedt, Andreas Hilfiker, Günter Kern und Wolfhard Savoy weiter zusammen. Nach Ansicht von Aufsichtsrat Stefan Grühsem befindet sich der Verein mitten im Abstiegskampf. «Wer jetzt auf die Tabelle und unser Programm der nächsten Woche schaut, darf nicht vom Europapokal träumen, sondern muss ein Thema klar ansprechen. Und das lautet Abstiegskampf», sagte der Kommunikationschef von VfL-Eigentümer VW der Tageszeitung «Die Welt». «Wir haben sieben Punkte Vorsprung auf Rang 16, und es gibt genug Beispiele von Mannschaften, die nach oben geschielt haben und dann nach unten durchgereicht worden sind.»
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