Die Fans desillusioniert, Spieler und Trainer deprimiert: Die Senkrechtstarter von 1899 Hoffenheim sind mit dem Kopf an die Decke gestoßen.
«Das ist zur Zeit eine schwierige und angespannte Situation», räumte Manager Jan Schindelmeiser nach der 0:3 (0:1)-Niederlage der Nordbadener gegen Bayer Leverkusen ein. «Wir haben einige Misserfolge gehabt, die bleiben auf der Seele der Jungs hängen.» Beim letztjährigen Bundesliga-Herbstmeister läuft derzeit nichts zusammen. Mit neun Punkten Rückstand auf Rang fünf ist beim Tabellen-Neunten der Traum vom internationalen Geschäft schon nach zwei Rückrunden-Spieltagen praktisch geplatzt.
«Heute hat man den Unterschied gemerkt zwischen einer Mannschaft, die seit 19 Spielen nicht verloren hat, und einer, die das sechste Spiel hintereinander nicht gewonnen hat», meinte Coach Ralf Rangnick mit hängendem Kopf in der Pressekonferenz. «Uns fällt es sehr schwer momentan, ein Tor zu schießen. Wir müssen schauen, dass wir uns mit kleinen Schritten wieder fangen.» Gegen Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte gibt es für die Hoffenheimer weiter nichts zu holen.
Erstmals in der neuen Rhein-Neckar-Arena mussten sich die Emporkömmlinge am Ende sogar Pfiffe anhören. «Wir wollen euch kämpfen sehen!», forderten die enttäuschten Fans während der desolaten zweiten Halbzeit. Nach dem raketenartigen Aufstieg aus dem Amateur- Lager an die Spitze des deutschen Fußballs, spielen die Hoffenheimer wie mit nasser Zündung. Nichts ist geblieben vom Zauber der Ball- Strategen um Carlos Eduardo. Auch der brasilianische Nationalspieler hat nach einer Patellasehnenblessur mehr mit sich selbst zu kämpfen.
Klartext in der misslichen Situation sprach allein Nationalspieler Andreas Beck: «Wir müssen total aufpassen, dass wir jetzt nicht runter rutschen. Wir wollen keine Ausreden suchen, dass uns Spieler gefehlt haben». Dennoch machte Rangnick die Misere auch an der angespannten Personallage fest. Seine Aussage «Bei uns fehlen fünf oder sechs Stammspieler», war jedoch übertrieben. Kritik an der Einkaufspolitik wollte er allerdings nicht hören: «Das kann man nicht vorher absichern.» Der wochenlange Trip zum Afrika-Cup von Chinedu Obasi und Isaac Vorsah war jedoch absehbar, zudem ging Matthias Jaissle als Rekonvaleszent in die Saison.
Obwohl auch Angreifer Maicosuel (Bänderriss im Knöchel) mindestens zwei Wochen ausfällt und die von Rangnick eingesetzten Talente - bis auf Boris Vukcevic - überfordert wirkten, werden Hoffenheim und sein in Florida weilender Mäzen Dietmar Hopp vor dem Transferschluss am 31. Januar nicht nachbessern. «Wenn alle körperlich in einer guten Verfassung sind, dann haben wir einen Kader, der die Großen ärgern kann. Wenn der Kader zu groß ist, dann schafft das nur Unruhe. Und wenn Obasi und Vorsah wieder da sind, dann sieht's wieder besser aus», erklärte Schindelmeiser. Vorausgesetzt, die Nationalspieler aus Nigeria und Ghana müssen dann keine Blessuren auskurieren.
«Wir bräuchten einen Kader mit mehr Qualität in der Breite», forderte Carlos Eduardo im Interview mit «Welt online». Der kleine Spielmacher hat einen Vertrag bis 2013. «Wenn wir diese Saison einen internationalen Startplatz erreichen, ist es fast sicher, dass ich bleibe. Ich will im Europapokal spielen wenn das hier geht, wäre das optimal.» Auf graues Mittelmaß hat der 22-Jährige mit Sicherheit keine Lust.