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Magath sauer - Gefühlter Sieg Bochums

Bochum (dpa) - 24.01.2010, 10:23 Uhr

Der Bochumer Stanislav Sestak jubelt über seinen Treffer in der letzten Sekunde: 2:2.
Der Bochumer Stanislav Sestak jubelt über seinen Treffer in der letzten Sekunde: 2:2.

Bochum (dpa) - Erst als er sich unbeobachtet wähnte, ließ Felix Magath seinem Frust freien Lauf. «In der Nachspielzeit - das darf doch nicht sein», brüllte der stets um Kontrolle bemühte Trainer des FC Schalke 04 unüberhörbar in der Gästekabine.

Der leichtfertig verspielte Sieg beim VfL Bochum, der verpasste Sprung an die Tabellenspitze und die beiden späten Gegentore zum 2:2-Endstand von Vahid Hashemian (82.) und Stanislav Sestak (90.+2) im «kleinen» Revierderby hatten dem Fußball-Lehrer gründlich die Laune verdorben.

Während Magath seinem Ärger Luft machte, waren die Profis noch beim Auslaufen im rewirpower-Stadion. Bei den üblichen Kraft- und Regenerationsübungen hatten sie Zeit darüber nachzudenken, wie sie eine lange Zeit souverän dominierte Partie trotz einer komfortablen Doppel-Führung durch Vicente Sanchez (5.) und Kevin Kuranyi (42.) noch aus der Hand geben konnten.

«Wir sind sauer auf uns selbst», gestand Manuel Neuer nach der «gefühlten Niederlage». Man habe in der Schlussphase «geschlafen und den Sieg verschenkt». Dass er nach vier Zu-Null-Siegen und 527 Minuten erstmals wieder hinter sich greifen musste, spielte für den Nationalkeeper eine untergeordnete Rolle. «Wichtig waren drei Punkte, und wir haben zwei verloren.» Zu allem Unglück rückte den auf Platz drei zurückgefallenen Schalkern auch noch der Erzrivale Borussia Dortmund dicht auf den Pelz.

Nach seinem Gefühlsausbruch in den Katakomben hatte sich Magath wenig später im Presseraum äußerlich wieder beruhigt. Er sei lange mit dem Spiel seiner Elf zufrieden gewesen. Man habe dann aber gesehen, «dass junge Spieler auch Fehler machen», dozierte der 56- Jährige. Den ungewohnten Einbruch führte er allein auf «mangelnde Erfahrung» seiner jungen Mannschaft zurück. Seine Hoffnung: «Wir müssen aus diesen Fehlern lernen und es beim nächsten Mal besser machen. Dann sind wir wieder einen Schritt weiter.»


Allerdings waren es nicht allein die jungen Talente wie Christoph Moritz, Lukas Schmitz oder Joel Matip, die patzten. Vor dem 1:2 durch den zehn Minuten zuvor eingewechselten Hashemian nach einer Ecke von Neuzugang Milos Maric befand sich die gesamte Abwehr im Tiefschlaf. Und vor dem Ausgleich ließ sich der erfahrene Rechtsverteidiger Rafinha von Hashemian austanzen, ehe Sestak die Maßflanke des Iraners unbedrängt einköpfen konnte. «Joker» Hashemian genoss das seltene Glücksgefühl. «Ein Tor und eine Vorlage - für mich lief es perfekt», so der Edelreservist, der nach eigenem Bekunden die Maßgabe von Heiko Herrlich umsetzte: «Der Trainer hat mir gesagt, ich soll ein Tor machen und eins vorbereiten.»

Ein Extralob bekam Hashemian von Manager Thomas Ernst: «Vahid war der Mann des Spiels. Er ist nicht nur der Hubschrauber, sondern kann auch kicken.» Für den zuletzt vor allem auswärts stark auftrumpfenden VfL, der weiter auf den zweiten Saison-Heimsieg wartet, fühlte sich das Remis vor 29 008 Zuschauern zwar wie ein Sieg an. Doch die Schwächen im Spielaufbau gegen die gut organisierten und kompakt im 4-3-3-System agierenden Schalker waren unübersehbar. So war Herrlich auch nur mit der «tollen Moral» und dem Ergebnis zufrieden. «Wir haben in der ersten Hälfte nicht gut gespielt und nicht das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten. Aber ich wusste, wenn wir ein Tor machen, kann das Spiel noch kippen.»

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