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Frost und Frust in Berlin: 125 Tage Rote Laterne

Berlin (dpa) - 24.01.2010, 14:26 Uhr

Theofanis Gekas (l) von Hertha BSC scheitert an Torhüter Logan Bailly.
Theofanis Gekas (l) von Hertha BSC scheitert an Torhüter Logan Bailly.

Hertha BSC ist am Tabellenende der Fußball-Bundesliga festgefroren - die Rote Laterne sorgt in der Hauptstadt auch nach 125 Tagen weiter für Angst und Schrecken.

«Das war zu wenig», fasste Berlins überragender Schlussmann Jaroslav Drobny das torlose Remis in der «Tiefkühltruhe» Olympiastadion gegen Borussia Mönchengladbach zusammen und blickte zugleich schon auf das nächste Alles-oder-nichts-Spiel am kommenden Spieltag: «Jetzt stehen wir gegen Bochum noch mehr unter Druck. Wir müssen unbedingt gewinnen.»

Der Tscheche Drobny hatte mit einem gehaltenen Elfmeter und weiteren Glanztaten seinen Teil zur erhofften Fortsetzung der Aufholjagd der Herthaner beigetragen. Doch anders als beim Hoffnung machenden 3:0 zum Rückrunden-Auftakt in Hannover versagte gegen Gladbach die Berliner Abteilung Attacke. «Nach vorn müssen wir effektiver werden, dann werden wir das eine oder andere Tor schießen», bemerkte Hertha-Chefcoach Friedhelm Funkel nach dem verpassten Heißmacher bei zehn Grad minus und versuchte wie nun schon seit Wochen jede Abstiegs-Panik zu vermeiden.

«Für uns war es wichtig, dass wir die Stabilität in der Abwehr wiedergefunden haben», sagte Funkel und strich die deutlichste Verbesserung im Berliner Spiel nach der Winterpause heraus. Kassierte der Tabellen-Letzte in der Hinrunde sage und schreibe 39 Gegentreffer, so steht jetzt nach zwei Spielen die Null. Doch noch immer fehlen Hertha acht Punkte bis zum rettenden Ufer und sieben zum Relegationsplatz 16. «Wir hätten unsere Chance nutzen müssen», sagte Wintereinkauf Lewan Kobiaschwili bereits mit einer Spur Verzweiflung.

Florian Kringe und Theofanis Gekas haben sich gegen Borussia Mönchengladbach Blessuren zugezogen. Der Ex-Dortmunder Kringe plagt sich nach einem Tritt auf den Fuß mit einer Verletzung des Nagelbetts. Winter-Verpflichtung Gekas erlitt eine Hüftprellung. Nach Einschätzung der medizinischen Abteilung des Berliner Fußball-Bundesligisten sollen beide Spieler aber bis zum nächsten Heimspiel gegen den VfL Bochum wieder einsatzfähig sein.


Schon seit dem 20. September vergangenen Jahres leuchtet Berlin als Schlusslicht. «Sie werden noch den einen oder anderen Sieg holen. Aber ob es am Ende reicht, wird man sehen», erklärte Borussias Mittelfeldmann Thorben Marx zum Schicksal seines ehemaligen Vereins. Die Berliner bekamen am 19. Spieltag gegen eine in der ersten Hälfte mutige und nach der Pause nur noch verteidigende Borussia zu spüren, was das Hauptproblem bei der erhofften Aufholjagd ist: Hertha fehlt angesichts der desaströsen Hinrunde einfach die Zeit für solche Unentschieden wie gegen die Gladbacher. «Hertha ist neu aufgestellt. Wenn die Saison jetzt neu losgehen würde, hätte die Mannschaft nichts mit dem Abstieg zu tun», bemerkte Borussen-Coach Michael Frontzeck nach seinem 100. Spiel als Bundesliga-Trainer.

Anders als sein Kollege Funkel kann Frontzeck mit dem 0:0 «gut leben», denn nach zwei Pleiten nacheinander hat Mönchengladbach den Abstand zur Abstiegszone wieder von vier auf fünf Punkte ausgebaut. Da konnte der Chefcoach sogar den doppelten Fehlschuss von Juan Arango verzeihen. Der mit der Erfahrung von 87 Länderspielen für Venezuela ausgestattete Profi scheiterte erst mit einem vom deutschen Nationalspieler Arne Friedrich verursachten Foulelfmeter an Drobny und fand auch im Nachschuss aus fünf Metern im tschechischen Nationalkeeper seinen Meister. «Es wird keine Schuldzuweisungen geben. Ich habe auch schon einige Elfmeter verschossen», sagte Frontzeck mit einem Augenzwinkern.

Nach Drobny avancierte nach der Pause dessen Gladbacher Kollege Logan Bailly zur herausragenden Figur beim torlosen, aber durchaus spannenden Wintertanz. Der 24 Jahre alte Belgier stoppte die zunehmenden Offensivbemühungen der runderneuerten, aber weiter zitternden Berliner fast im Alleingang. «Das war ein Spiel der Torhüter», unterstrich Frontzeck. Für Drobny kein Trost: «Jeder kennt doch unsere Situation, wir brauchen einfach Siege.»

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