Mit Disziplin und Sprachtalent: Gross treibt VfB an
Stuttgart (dpa) - 22.01.2010, 10:21 Uhr
Stuttgarts Trainer Christian Gross gestikuliert am Spielfeldrand.
Seine klare Ansprache, die Disziplin, seine Umstellungen im Angriff oder das verschärfte Training: Für den Aufschwung des Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart unter dem neuen Trainer Christian Gross gibt es gleich mehrere Gründe. Einer davon ist das Sprachtalent des Schweizers. An seinem ersten Arbeitstag habe Gross Deutsch gesprochen und seine Sätze gleich auf Englisch und Französisch wiederholt, verriet Stürmer Pawel Pogrebnjak. Spanisch und Italienisch spricht der Trainer auch noch. Die kleine Geschichte verrät, dass Gross jeden seiner Spieler selbst im wahrsten Sinne dieses Wortes «erreicht». Und seine Spieler hören ihm mit Respekt und grenzenlosem Vertrauen in seine Fähigkeiten zu. Unter seinem Vorgänger Markus Babbel war davon am Ende nicht mehr viel zu spüren. Gross' Einstand beim VfB ist beeindruckend. Seit er das Traineramt am 6. Dezember übernommen hat, hat seine zuvor kriselnde Mannschaft drei von vier Spielen gewonnen. Was der 55-Jährige auch anfasste - bislang hatte er damit immer Erfolg. Er hat Spieler wie Pogrebnjak, Ciprian Marica und Roberto Hilbert wieder aufgestellt, und sie zahlen es ihm mit Toren zurück. Gross lässt hart trainieren, aber seine Spieler ziehen bereitwillig bis begeistert mit. Dazu legt er viel Wert auf «mentales Training», wie er sagt. Im Ergebnis spielt der VfB viel engagierter und selbstbewusster, seit er da ist. «Der Trainer macht alles richtig», sagt Timo Gebhart. «Er redet uns stark.»
Dieser Aufschwung bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass Gross ein besserer Trainer ist als Babbel. Er zeigt nur, wie sehr es darauf ankommt, den richtigen Mann zur richtigen Zeit zu holen. Nachdem sich in der Endphase der Ära Veh eine gewisse Lethargie beim VfB ausgebreitet hatte, riss Babbel mit seinem Optimismus zunächst alle mit. Weil sich unter ihm aber die Disziplinlosigkeiten häuften, tut Gross' kurze Leine dem Team jetzt gut. Selbst Stars wie Alexander Hleb («Seine Bilanz ist ungenügend») bekommen ihre Defizite schonungslos vorgehalten. Das hält jeden beim VfB unter Strom. Gross selbst gibt die Komplimente, die er in Stuttgart erhält, gern zurück. Er fühle sich wohl im Verein, sagt er, seine Mannschaft arbeite «sehr zielgerichtet und konzentriert». Trotz der jüngsten Siege bleibe der Klassenerhalt das alleinige Ziel. Richtig messen lässt sich die Arbeit des Schweizers aber wohl erst in der kommenden Saison. Aktuell scheint sein Team für Platz 15 stark genug zu sein. Dazu lag es auf der Hand, wo er mit seiner Arbeit anzusetzen hatte. Im nächsten Jahr aber wird er mehr Einfluss auf das Gesicht des Kaders und die Spielidee nehmen können. Dass er beim VfB auch länger Erfolg haben wird, zweifelt im Verein niemand an. «Gross nutzt wirklich jede Minute, um daran zu arbeiten», lobt Sami Khedira.
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