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Experiment vorbei: Slomka soll 96 retten

Hannover (dpa) - 19.01.2010, 18:42 Uhr

Mirko Slomka übernimmt bei Hannover 96 das Traineramt.
Mirko Slomka übernimmt bei Hannover 96 das Traineramt.

Hannover (dpa) - Die Verlegenheitslösung ist gescheitert, nun soll Mirko Slomka Hannover 96 vor dem Absturz retten. Wenige Stunden nach der Beurlaubung von Cheftrainer Andreas Bergmann präsentierte der abstiegsbedrohte Fußball-Bundesligist den alten Bekannten als Nachfolger.

Der ehemalige Schalke-Coach Slomka stand bereits als Jugend- und Co-Trainer von Ralf Rangnick in Hannover auf der Gehaltsliste. «Er hat eine Geschichte in Hannover», sagte Vereinschef Martin Kind, «er hat ein überzeugendes Konzept und Visionen für die Zukunft». Zuvor hatten die 96-Verantwortlichen Bergmann von seinem Amt entbunden, das der vorherige Amateurtrainer lediglich 153 Tage innehatte.

Slomka hat einen Vertrag bis 2011 unterschrieben, der Kontrakt gilt aber nur im Falle des Klassenverbleibs. «Wir sind davon überzeugt, dass Mirko Slomka mit unserer Mannschaft den Abstieg verhindern wird», ließ Sportdirektor Jörg Schmadtke mitteilen: «Darüber hinaus soll er die 96-Mannschaft der Zukunft entwickeln.» Slomka hat sich gegen Marcel Koller durchgesetzt, mit dem Schmadtke ebenfalls Gespräche geführt hatte. «Ich freue mich auf die Herausforderung in meiner Heimat und bin überzeugt, dass wir den Schritt nach oben rasch gehen werden», sagte Slomka. «Die Mannschaft und ich müssen uns schnell aneinander gewöhnen und dann schon gegen Mainz am kommenden Samstag punkten.»

Der 42 Jahre alte Slomka tritt in Hannover seinen ersten Job seit seiner Entlassung bei Schalke 04 im April 2008 an, nachdem er in den vergangenen gut anderthalb Jahren bei mehreren Clubs im Gespräch gewesen war. Geklappt hat es nun bei seinem «Heimatverein». Slomka wohnt seit vielen Jahren in Hannover und kennt 96 von seinen ersten Engagements bestens. Zwischen 1989 und 1999 war er in Niedersachsen Jugendtrainer, von 2001 bis 2004 arbeitete er als Assistent von Rangnick.

Für Hannover ist es nach dem Rücktritt von Dieter Hecking der zweite Trainerwechsel, für die Liga bereits der sechste der laufenden Saison. Nach der 0:3-Schmach gegen Hertha und dem Abrutschen auf Tabellenplatz 16 hatte sich die Trennung abgezeichnet. Dass nicht direkt ein neuer Trainer präsentiert werden konnte, erklärte der Sportdirektor mit dem «großen Respekt gegenüber Andreas Bergmann. Ich wollte nicht hinter seinem Rücken mit einen Nachfolger verhandeln.» Sondierungsgespräche hatte es allerdings schon kurz nach dem Hertha-Spiel gegeben, laut Medienberichten auch mit Hans Meyer.


Dabei hatte Schmadtke zuvor am Wochenende zunächst angekündigt, dass Bergmann auch bei dem kommenden Spiel in Mainz auf der Bank sitzen werde. Doch die Angst vor dem Abstieg und seinen wirtschaftlichen Folgen überwogen offensichtlich. Nur ein Punkt aus sechs Spielen seit dem Tod von Torhüter Robert Enke im November zerstörte das Vertrauen. Der Druck der Gesellschafter wuchs, und in der Nacht auf den 19. Januar fiel die Entscheidung.

Schmadtke informierte erst Bergmann, dann das Team. Der 50 Jahre alte Fußball-Lehrer hatte das Team am 20. August nach Heckings Rücktritt übernommen. 96 war damals von Heckings Entscheidung überrascht worden und hatte den Coach der Regionalligamannschaft zunächst nur kommissarisch eingesetzt.

«Nach drei Niederlagen hintereinander und einer Negativ-Serie von mittlerweile sieben Spielen ohne Sieg hatten die Verantwortlichen von Hannover 96 nicht mehr das Gefühl, dass Andreas Bergmann der Mannschaft die nötigen Impulse für den Verbleib in der Bundesliga geben kann», erklärte Schmadtke.

Bergmann galt unter 96-Fans als zu weich und zu verständnisvoll gegenüber den Profis. «Jetzt haben die Spieler den Trainer, den sie wollten», hatte Clubchef Kind über Bergmann gesagt, in der Folge aber an dessen öffentlicher Demontage mitgearbeitet, als er nach einer Testspiel-Niederlage gefordert hatte: «Bergmann muss härter arbeiten und stärker handeln.»

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