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Experiment vorbei: 96 beurlaubt Trainer Bergmann

Hannover (dpa) - 19.01.2010, 13:07 Uhr

Andreas Bergmann steht bei einem 96-Spiel als Trainer am Spielfeldrand.
Andreas Bergmann steht bei einem 96-Spiel als Trainer am Spielfeldrand.

Das Experiment ist beendet, die Verlegenheitslösung gescheitert: Der vor 153 Tagen zum Cheftrainer beförderte Amateurcoach Andreas Bergmann ist vom Fußball-Bundesligisten Hannover 96 beurlaubt worden.

Obwohl die Trennung seit der peinlichen Pleite gegen Schlusslicht Hertha BSC absehbar war, hat Hannover noch keinen Nachfolger. «Wir sondieren den Markt und führen noch mehrere Gespräche», sagte 96-Sportdirektor Jörg Schmadtke. Für Hannover 96 ist es nach dem Rücktritt von Dieter Hecking der zweite Trainerwechsel, für die Liga bereits der sechste der Saison.

Hannovers Vereinschef Martin Kind kündigte an, kurzfristig einen Nachfolger präsentieren zu wollen. Nach seinen Angaben soll dies spätestens am 20. Januar erfolgen. Derzeit sei der Verein in Verhandlungen. Zwei bis drei Kandidaten sind laut Schmadtke in der engeren Wahl. Zu den in Hannover gehandelten Mirko Slomka, Falko Götz oder Frank Pagelsdorf wollte sich Schmadtke nicht äußern. «Namen kommentieren wir grundsätzlich nicht», sagte der Sportdirektor.

Nach der enttäuschenden 0:3-Niederlage gegen Hertha und dem Abrutschen auf Tabellenplatz 16 hatte der Sportdirektor zunächst angekündigt, dass Bergmann auch am kommenden Spieltag in Mainz auf der Bank sitze. Doch die Angst vor dem Abstieg und seinen wirtschaftlichen Folgen überwogen offensichtlich. Nur ein Punkt aus sechs Spielen seit dem Selbstmord von Torhüter Robert Enke im November zerstörte das Vertrauen. Der Druck der Gesellschafter wuchs, und in der Nacht fiel die Entscheidung.

Schmadtke informierte erst Bergmann, dann die Mannschaft. Der 50 Jahre alte Fußball-Lehrer hatte das Team nach Heckings Rücktritt nach dem dritten Spieltag übernommen. 96 war damals von Heckings Entscheidung überrascht worden und hatte den Coach der Regionalligamannschaft zunächst nur kommissarisch eingesetzt.


«Nach drei Niederlagen hintereinander und einer Negativ-Serie von mittlerweile sieben Spielen ohne Sieg hatten die Verantwortlichen von Hannover 96 nicht mehr das Gefühl, dass Andreas Bergmann der Mannschaft die nötigen Impulse für den Verbleib in der Bundesliga geben kann», erklärte Schmadtke. Dass die Beurlaubung vor dem Engagement eines neuen Coaches erfolgte, erklärte der Sportdirektor mit dem «großen Respekt gegenüber Andreas Bergmann. Ich wollte nicht hinter seinem Rücken mit einen Nachfolger verhandeln.» Sondierungsgespräche hat es allerdings schon kurz nach dem Hertha- Spiel gegeben, Medienberichten zufolge auch mit Hans Meyer.

Bergmann galt unter 96-Fans als zu weich und zu verständnisvoll gegenüber den Profis. «Jetzt haben die Spieler den Trainer, den sie wollten», hatte Clubchef Kind über Bergmann gesagt, in der Folge aber auch an der öffentlichen Demontage des 50-Jahre alten Fußball-Lehrers mitgearbeitet, als er nach einer Testspiel-Niederlage gefordert hatte: «Bergmann muss härter arbeiten und stärker handeln.»

96-Profi Arnold Bruggink sagte zu Bergmanns Beurlaubung: «Das ist sehr enttäuschend für uns. Wir fühlen uns sehr schlecht.» Der von Bergmann zum Kapitän beförderte Niederländer meinte: «Wir haben unter Andreas Bergmann auch gute Spiel gehabt und uns fußballerisch gesteigert.» Dass Bergmann der Wunschtrainer der Mannschaft gewesen sei, bestritt Bruggink: «Das stimmt nicht. Wir entscheiden doch nicht, wer hier Trainer wird.»

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