Ausgerechnet «Verkaufskandidat» Kevin Kuranyi hat Dieter Hecking den Einstand als «Club»-Coach verdorben und seinen Trainer Felix Magath glücklich gemacht.
«Ich beurteile keinen Spieler nach 45 oder 90 Minuten. Aber wenn Kevin jetzt in jedem Spiel ein Tor schießt, bin ich sicher froh, dass wir ihn behalten haben», sagte der Trainer des FC Schalke 04 nach dem «glücklichen Arbeitssieg» durch Kuranyis 1:0 (48.) gegen den 1. FC Nürnberg.
Kurios: Eigentlich hatte Magath den 27 Jahre alten Stürmer in der Winterpause verkaufen wollen, um frisches Geld in die marode Kasse zu spülen. Doch der Transfer scheiterte am Veto des Angreifers, der die schwachen Knappen prompt mit seinem neunten Saisontor vor einer Pleite zum Rückrunden-Auftakt der Fußball-Bundesliga bewahrte und seiner Elf den vierten Sieg in Serie bescherte. «Wir haben uns heute sehr schwer getan. Aber als wir uns einmal durchgesetzt haben, war es gleich ein Tor. Das ist auch eine Qualität», sagte Magath, der aber vor allem für Torhüter Manuel Neuer ein Sonderlob parat hatte. «Er war in hervorragender Verfassung. Mit einem mittelmäßigen Torhüter hätten wir das Spiel heute nicht gewonnen. Ich bin froh, dass wir Manuel haben. Und wir wollen ihn noch lange behalten.»
Der Keeper, der mit zwei Glanzparaden Schüsse von Angelos Charisteas (26.) und Christian Eigler (68.) an den Pfosten lenkte, mochte seine Leistung nicht in den Vordergrund stellen. «Ich habe das Tor nicht geschossen. Ich glaube, die Fans verzeihen uns, dass wir nicht so gut gespielt haben.» Schalke trat zwar zu keinem Zeitpunkt wie ein Spitzenteam auf, festigte dennoch den zweiten Tabellen-Platz und ist weiter erster Verfolger von Spitzenreiter Bayer Leverkusen.
Dagegen wird die Situation der Nürnberger nach der fünften Niederlage in Serie immer dramatischer. Hecking, der kurz vor Weihnachten Michael Oenning abgelöst hatte, sprach nach der fünften Niederlage hintereinander von einem «verpatzten Einstand», auch wenn sein Team eine «sehr gute Leistung» gezeigt habe. «Ich bin kein Typ, der sich über Niederlagen freuen kann. Irgendwann müssen wir mal einen Dreier holen», sagte der 45-Jährige, dessen Elf bereits einen Fünf-Punkte-Rückstand auf den Relegationsplatz aufweist.
Gleichwohl schöpfen die Franken aus ihrem engagierten Auftritt neuen Mut. «Wir hätten einen Punkt verdient gehabt und werden weiter versuchen, das Unmögliche zu schaffen. Die Mannschaft lebt, hat sich längst nicht aufgegeben», betonte Torhüter Raphael Schäfer. Man müsse auf der Leistung aufbauen und nun gegen Frankfurt gewinnen. Seine Rechnung: «Wir haben noch 15 Spiele Zeit, um sechs Siege zu holen. Dann haben wir am letzten Spieltag vielleicht ein Endspiel gegen Köln.»
Immerhin boten die Winter-Leihgaben des FC Bayern München, Breno und Andreas Ottl, eine solide Leistung. «Sie haben sich gut eingegliedert in eine gut funktionierende Mannschaft», sagte Hecking. Seine Spieler müssten nun «die Tabelle ausblenden» und weiter gut arbeiten. «Froh bin ich vor allem über einige Aktionen nach vorn, das schnelle Umschalten. Nur so geht es.»
Magath, der von seinen sechs Wintereinkäufen nur den Ex-Nürnberger Peer Kluge und den früheren Bochumer Edu in die Startelf berief, muss auf Kluge in den kommenden Spielen wohl schon wieder verzichten. Der Mittelfeldspieler zog sich eine Knochenabsplitterung am Knöchel zu und musste nach 35 Minuten vom Feld. «Es ist nicht klar, wie lange er ausfallen wird», sagte Magath, der mit dem aus Südkorea geholten Edu zufrieden war. «Aber man hat auch gesehen, dass es in der Bundesliga schwerer ist als in der Liga, in der er zuletzt spielte.»