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Seifert zu Terminhatz: «DFB ein Teil des Problems»

Frankfurt/Main (dpa) - 17.01.2010, 11:59 Uhr

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert kritisiert die Terminhatz.
DFL-Geschäftsführer Christian Seifert kritisiert die Terminhatz.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) sieht die unterschiedliche Interessenlage der Bundesliga und der Nationalmannschaft als «zunehmend schwierig».

«Sämtliche Länderspiele in einem Jahr haben weniger Stadionbesucher als ein Spieltag in der Bundesliga. Das muss man so nüchtern sehen. Die Bundesliga ist das Brot-und-Butter-Geschäft, die Nationalmannschaft ist die Sahne. Es gibt aber keine Sahne, wenn Brot und Butter nicht gut laufen», sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert in einem Interview mit der «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung».

Auch die Bundesliga sei eine nationale Angelegenheit, erklärte Seifert angesichts der Tatsache, dass Bundestrainer Joachim Löw seine Auswahlspieler gerne öfter versammelt hätte. «Wir müssen aber beachten, wer Lokomotive und wer Anhänger ist», sagte der Spitzenfunktionär und schob hinterher: «Ich weiß, dass mir das einige übelnehmen.»

Seifert machte für den immer engeren Terminkalender vor allem die internationalen Dachverbände UEFA und FIFA verantwortlich - schloss aber auch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) nicht aus. «Im Fußball ist der DFB mit seinem Pokalwettbewerb ja auch Teil des Problems. Der DFB spielt auch mehrere Runden und beansprucht seine Termine, die dann nicht für Länderspiele zur Verfügung stehen.» Der DFB refinanziere sich zudem teilweise durch den Cup, der Umsatzdruck in der Liga sei jedoch ein ganz anderer als beim DFB.

«Ich habe den Eindruck, dass das Positive am Fußball einseitig der Nationalmannschaft zugeschlagen wird», beklagte sich der 40-Jährige. «Allzu oft wird das Negative, vor allem die Überkommerzialisierung der Bundesliga zugeschrieben.» Als Beispiel nannte Seifert die Nationalspieler Mesut Özil und Sami Khedira, die als leuchtendes Beispiel der Integration hochgehalten würden, wenn sie für Deutschland spielen. «Gleichzeitig darf man sie aber samstags als Millionäre beschimpfen, wie das die deutsche Polizeigewerkschaft getan hat, um 50 Millionen Euro von den Proficlubs zu verlangen.»

Für die Forderung von Löw und anderen Nationaltrainern nach mehr Vorbereitungszeit für die Auswahlmannschaften zeigte Seifert dennoch Verständnis. Der Konflikt entstehe durch die Vielzahl internationaler Termine. Der Kalender mute den Proficlubs seit Jahren zu viel zu. «Die FIFA fährt ihre Linie, die UEFA fährt ihre Linie - das ist für die Bundesliga eine Belastung. FIFA und UEFA dürfen den Bogen nicht überspannen. Man merkt zunehmend, dass dort justiert werden muss», kritisierte Seifert. Er bemängelte auch sportpolitische Entscheidungen des Weltverbandes wie die Olympia-Abstellung von Profis 2008, die U-20-WM im vergangenen Jahr während des laufenden Spielbetriebs und die Vergabe der U 17-WM in ein «potenzielles Kriegsgebiet» wie Nigeria.


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