Den ersten Angriff aus München abgewehrt und die Furcht vor dem Rückrunden-Absturz besiegt: Bayer Leverkusen hat mit dem 4:2 gegen den FSV Mainz 05 die Tabellenspitze souverän verteidigt.
«Wir haben Potenzial, wir haben Klasse und jetzt kommen noch Alternativen dazu», meinte Coach Jupp Heynckes nach dem 18. Bundesliga-Spiel in Serie ohne Niederlage selbstbewusst. «Und deshalb nehmen wir alles, was draußen kolportiert und diskutiert wird ganz gelassen hin.» Der 64-Jährige konnte es sich sogar leisten, die wiedergenesenen Stammkräfte Simon Rolfes, Patrick Helmes und Renato Augusto erst in der Endphase der Partie zu bringen. «Wenn sie richtig kommen, werden wir noch besser und erfolgreicher», glaubt Heynckes.
Was seine Werkself nach kurzer Winterpause auf vereistem Boden zeigte, war zumindest phasenweise meisterlich. Das 0:1 durch Tim Hoogland (8. Minute) mobilisierte die Bayer-Profis, die die Partie mit einem Fußball-Feuerwerk und Treffern von Michal Kadlec (15.), Tranquillo Barnetta (19.) und Toni Kroos (30.) blitzschnell drehten. «Man hat in dieser Saison das Gefühl, ruhigbleiben zu können, wenn man mal ein Gegentor bekommt. Wir sind stabil geworden», sagte Bayer- Sportchef Rudi Völler. Nach dem 3:2 durch Niko Bungert (67.) musste aber doch gezittert werden, bevor Eren Derdiyok (88.) das 4:2 markierte. «Es ist ein Phänomen meiner Mannschaft, zu reagieren, wenn der Gegner gefährlich aufkommt», meinte Heynckes und merkte kritisch an: «Die zwei Gegentore sind ein Zeichen, dass noch etwas perfektioniert werden muss.»
Derweil wird es für Bayer schwer werden, die am Rhein aufgeblühte Bayern-Leihgabe Toni Kroos über das Saisonende hinaus zu halten. «Wir haben noch ein Quäntchen Hoffnung», sagte Völler - zumal das 20- jährige Mittelfeld-Juwel selbst nicht zurück will. Bisher ist keine Entscheidung gefallen, obwohl Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl- Heinz Rummenigge («Zu 100 Prozent») unmissverständlich die Rückkehr befahl. «Die Entscheidung wird in den kommenden Monaten fallen», erklärte Kroos nach der Mainz-Partie und reagierte gelassen auf das Gezerre: «Mich belastet das nicht.»
Vielleicht auch, weil Bayerns Ehrenpräsident Franz Beckenbauer sich auf Kroos' Seite schlägt: «Momentan sehe ich keinen Platz für Kroos. Es macht keinen Sinn, einen Spieler zurückzuholen, wenn er nicht eingesetzt wird.» Von Spiel zu Spiel erhöht sich momentan sein Wert, schließlich gelang ihm schon sein siebter Saisontreffer. «Ich bin froh, dass ich da angeknüpft habe, wo ich aufgehört habe», sagte Kroos, der keineswegs seinen Münchner Stammverein als größten Titelrivalen ansieht: «Da oben gibt es mehrere Mannschaften. Das Titelrennen reduziert sich nicht nur auf Bayern München.»
Auch die Gegnerschaft der Mainzer beschränkt sich zum Glück nicht nur auf Klasseteams wie Bayer 04. «Wenn man als Mainz aus Leverkusen etwas Zählbares mitnehmen will, gehört zu einer außergewöhnlichen Leistung auch Glück», meinte 05-Trainer Thomas Tuchel. «Das 4:2 geht als relativ normales Ergebnis in die Statistik ein.» Zumal Mainz nur teilweise in der zweiten Halbzeit mithalten konnte. «Gut angefangen, gut aufgehört», war das Fazit des Mainzer Managers Christian Heidel, der auch eine Erklärung für den Leerlauf dazwischen hatte. «Nach dem 1:1 hat das Mittelfeld die Arbeit eingestellt.»
Dass sich der Negativtrend des Tabellen-Zehnten nach dem sechsten Spiel ohne Sieg fortsetzen könnte, glaubt Heidel nicht: «Ich habe überhaupt keine Bedenken, dass wir irgend eine Serie erleben werden.» Man habe schließlich beim Tabellenführer verloren. «Wir tun das nicht gerne, sind aber auch nicht so vermessen zu glauben, dass wir als Hinrunden-Neunter jede Mannschaft besiegen können.»
Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser kritisierte unterdessen im Editorial des «BayArena»-Magazins die kurze Winterpause der Fußball-Bundesliga. «Wie die Liga diese eigentlich zu kurze Unterbrechung verkraftet und wie die lange Zeit ohne Spieleinnahmen und ohne Spielpraxis der Nicht-Nationalspieler im Sommer überbrückt werden kann, das wird sich zeigen», schrieb der 60-Jährige. «Es wundert nicht, dass die Kritik an der FIFA und UEFA - die wir im Übrigen teilen - sehr deutlich ist», so Holzhäuser. «Ich sehe es schon kritisch, wenn die internationalen Verbände immer mehr Sommerzeiten beanspruchen und die die Spieler bezahlenden Vereine in den Winter ausweichen müssen.»