Volle Kraft mit halbem Kader: HSV bleibt dran
Hamburg (dpa) - 17.01.2010, 09:32 Uhr
HSV-Trainer Bruno Labbadia (2.v.r) jubelt mit seinen Spielern nach dem Spiel gegen Freiburg.
Kaum noch Leute, aber volle Pulle: Den Hamburger SV schrecken in dieser Saison weder Personalnot noch Rasen-Dilemma. Das 2:0 gegen Aufsteiger SC Freiburg durch Tore von Marcell Jansen und Mladen Petric auf schwerem Geläuf hält die Norddeutschen aussichtsreich im Titelrennen. «Wir haben den Anspruch, ganz vorn dabei zu sein», bekannte Trainer Bruno Labbadia nach dem neunten Saisonsieg. Gut und gern hätte die Partie gegen harmlose Gäste auch 4:0 ausgehen können. Freiburgs Trainer Robin Dutt erhob keinen Widerspruch. «Der HSV war Herr im Haus, hat das Spiel dominiert und hochverdient gewonnen», gestand der Coach. Geradezu demoralisierend die Bundesliga-Bilanz der Badener gegen die Hamburger: Nur drei von 22 Begegnungen konnten sie für sich entscheiden. Der erfolgreiche Rückrundenauftakt hat den Hamburgern wieder den Blick für das Wesentliche geschärft: «Wir wollen uns nach oben orientieren», sagte Piotr Trochowski und empfand tiefe Genugtuung über den zumindest kurzzeitig erkämpften dritten Platz hinter Bayer und Bayern. Auch wenn es niemand so direkt auszusprechen wagt: Champions League soll es bitteschön sein, was in dieser Saison beim HSV unterm Strich zu stehen hat. Dass das hehre Ziel gar weiterhin mit halbiertem Kader - zehn Mann fehlten wegen Verletzungen (Zé Roberto, Guerrero, Elia, Alex Silva, Castelen, Reinhardt, Benjamin), Sperren (Boateng) oder Dienstreisen (Demel, Pitroipa) - verfolgt wird, nötigt Respekt ab. «Kompliment an die Mannschaft. Sie hat einen fantastischen Charakter», lobte Labbadia sein Team.
Ob die weiterhin dezimierte Mannschaft in den nächsten 14 Tagen noch aufgefrischt wird, ließ Labbadia offen. «Wir schauen uns um und werden dann sehen, ob wir was machen.» Mit dem Rumpfteam bleibe die Saison jedoch «eine sehr enge Kiste», meinte der Trainer. Der Transfer-Versuch mit dem Brasilianer Vagner Love, der die heimatliche Dauersonne an der Copacabana der Kältekammer Deutschland vorzog, war vermutlich nur die erste Attacke. Allerdings zeichnet sich auch ein Verlust immer deutlicher ab. Guy Demel, derzeit beim Afrika-Cup, will unbedingt zum FC Sunderland in die «beste Liga der Welt», wie er versicherte. Vielleicht lässt ihn die jüngste 2:7-Klatsche seines Wunschvereins gegen den FC Chelsea jedoch noch einmal grübeln. Nicht nur die Hamburger Saison-Ambitionen wurden im Spiel gegen Freiburg deutlich, die Partie nährte auch die Vermutung: Winter und Fußball passen einfach nicht zusammen. Wer des jämmerlichen Sturzackers in der Nordbank-Arena ansichtig wurde, hatte Mitleid mit den Profis und deren schweren Beinen. Am Ende der Partie blieb ein umgepflügtes, braunes Stück landwirtschaftlicher Nutzfläche zurück. Schon seit langem sollte das Grün getauscht werden, doch das Wetter spielte bislang nicht mit. «Wenn kein Frost mehr herrscht, dann werden wir es machen», sagte Labbadia. Vermutlich wird auch das nächste Heimspiel gegen Wolfsburg auf diesem Geläuf ausgetragen. «In der Hinsicht sind die Freiburger verwöhnt, weil da der Rasen immer wie ein Teppich liegt», berichtete HSV-Abwehrspieler Dennis Aogo, der selbst dreieinhalb Jahre bei den Breisgauern spielte. Freiburgs Stürmer Stefan Reisinger dachte jedenfalls nicht an den Untergrund, als er meinte: «Es gibt einige Dinge bei uns, die verbessert werden müssen.»
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