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Udo Lattek wird 75: «Mich schreckt nichts mehr»

Leipzig (dpa) - 15.01.2010, 23:22 Uhr

Udo Lattek posiert 2008 aus Anlass einer Preisverleihung in Hamburg.
Udo Lattek posiert 2008 aus Anlass einer Preisverleihung in Hamburg.

Das Alter hat für Udo Lattek jeden Schrecken verloren. «Daran kann ich sowieso nichts ändern. Und über den Tod denke ich auch nicht mehr nach», sagte der ehemalige Coach des Fußball-Rekordmeisters FC Bayern München der Deutschen Presse-Agentur dpa.

«Wenn es Zeit ist zu gehen, dann ist es eben soweit, nur leiden will ich nicht. Mich schreckt nichts mehr», betonte der achtmalige Meistertrainer. Am 16. Januar feiert Lattek, der während seiner Laufbahn 15 Titel gewann, seinen 75. Geburtstag - wie immer im Familienkreis.

Für Aufregung sorgt der Lehrer für Sport und Englisch aber noch heute. Seit mehr als 14 Jahren kommentiert er das Bundesliga- Geschehen für das Deutsche Sportfernsehen (DSF) - was er erzählt, hat Gewicht. «Ich würde gerne bleiben», sagt Lattek, dessen Vertrag im Sommer ausläuft. Auch der TV-Sender scheint mit ihm zufrieden zu sein. «Sie würden mich nicht halten wollen, nur weil ich ein sympathischer Typ bin», meint Lattek kokett und spielt auf sein streitbares Image an.

Dabei sei er in seiner Jugend eher ruhig gewesen. «Ich war zurückhaltend. Meinen Lehrern bin ich meistens erst dann aufgefallen, wenn ich im Unterricht gefehlt habe», berichtet der gebürtige Ostpreuße. Mit 30 wurde der ehemalige Student an der Kölner Sporthochschule dann Assistent von Bundestrainer Helmut Schön und übernahm fünf Jahre später den FC Bayern als Chef. Wegen seines Alters sei Lattek damals «praktisch der 18. Spieler» gewesen, bemerkte einmal der ehemalige Bayern-Torwart Sepp Maier.

Als Trainer hatte Lattek seine Karriere eigentlich schon 1987 beendet, ehe er sich mehrmals reaktivieren ließ: Zweimal übernahm er den 1. FC Köln als Sportdirektor, je einmal trainierte er den FC Schalke 04 und Borussia Dortmund. Den BVB rettete er 2000 sogar vor dem Abstieg. «Ich wollte meine Spieler immer von meinen Ideen überzeugen», betont Lattek, der ein feines Gespür für die Stimmung innerhalb einer Mannschaft besaß.


Dabei wurde der ehemalige Oberligaspieler des VfR Wipperfürth oft als knallhart charakterisiert, heute gewährt er Einblicke in sein Gefühlsleben. «Persönliche Schicksalsschläge gehen mir nahe. Nichts ist schlimmer als der Verlust des eigenen Kindes», sagt Lattek, dessen Sohn 1981 im Alter von 15 Jahren an Leukämie starb.

Der passionierte Skilangläufer wechselte daraufhin zum spanischen Traditionsclub FC Barcelona. Dort trainierte er Weltklasse-Spieler wie Diego Maradona, eine Zusammenarbeit mit Barca-Star Johan Cruyff war ihm aber nicht vergönnt. «Er war eine Persönlichkeit», lobt er den niederländischen Spielmacher. «Mit ihm hätte ich aber wahrscheinlich Krach bekommen, weil er seinen eigenen Kopf hatte - genauso wie ich», gesteht Lattek, der als einer von nur wenigen Trainern alle drei Europapokal-Titel gewonnen hat.

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