Gleich beim Neustart lockt Platz eins, aber bei der Jagd auf Herbstmeister Bayer Leverkusen wollen die großen Bayern gegen die Emporkömmlinge aus Hoffenheim mehr als die Tabellenführung für eine Nacht.
«Wir müssen sofort voll da sein. Es ist extrem wichtig, gut aus den Startlöchern zu kommen und ein Signal an die Liga zu geben. Wir müssen gewinnen», formulierte Torwart Jörg Butt den Auftrag des deutschen Fußball-Rekordmeisters im Eröffnungsspiel der Bundesliga-Rückrunde. Ein Spielball der Münchner, die bis auf ihr Dauer-Sorgenkind Franck Ribéry in Bestbesetzung auflaufen können, möchten die ersatzgeschwächten Hoffenheimer in der Allianz Arena aber nicht sein. «Es wäre keine Überraschung, wenn wir gewinnen», konterte Timo Hildebrand Torhüter-Kollege Butt und versicherte: «Auch die 15 Tore der Bayern in den letzten vier Spielen machen mir keine Angst.»
An den Hinrunden-Schlussspurt mit vier Siegen will der FC Bayern nahtlos nach der verkürzten Winterpause anknüpfen. «Es gilt jetzt für unsere Mannschaft, da weiter zu machen, wo sie im Dezember mit der erfolgreichen Serie aufgehört hat», forderte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. «Wir haben nicht viel Spiel-Rhythmus verloren», glaubt Ivica Olic. Der Stürmer gab aber zu, dass die Umstellung vom sommerlich warmen Trainingslager-Wetter in Dubai auf Schnee und Minusgrade im winterlichen München «schwer war».
Dass der Favorit vielleicht noch nicht ganz winterfest sein könnte, ist auch die Hoffnung der Hoffenheimer. «Die Bayern müssen schließlich 25 Grad Temperaturunterschied verkraften», gab Nationalspieler Andreas Beck zu bedenken. Die Nordbadener selbst sind kältefest nach der Vorbereitung daheim, und Trainer Ralf Rangnick sieht seine Mannschaft wieder in der Spur: «Vieles stimmt in der Truppe.» Ihm fehlen jedoch beim Start der gesperrte Luiz Gustavo sowie die Afrika-Cup-Teilnehmer Isaac Vorsah und Chinedu Obasi. Zudem plagen Regisseur Carlos Eduardo Patellasehnen-Probleme.
Ein Makel der Hinrunde war, dass der Tabellensiebte gegen keines der Top-Teams gewinnen konnte. «Wir müssen endlich kapieren, dass es nicht geht, nur schönen Fußball zu spielen», mahnte Abwehrrecke Josip Simunic. Bayern-Nationalspieler Bastian Schweinsteiger äußerte aber gerade wegen der spielerischen Qualitäten des Gegners Respekt: «Hoffenheim hat Spieler mit Extraklasse wie Carlos Eduardo, Ibisevic, Demba Ba. Aber wir haben die Möglichkeit, mit einem Sieg Erster zu werden. Das wäre auch mal nicht schlecht.» Seit 51 Spieltagen waren die Bayern nicht mehr die Nummer 1, nur Ende 2008 waren sie ebenfalls mal Tabellenführer für eine Nacht. «Wichtig ist, am Ende oben zu sein», betonte jedoch Nationalspieler Philipp Lahm.
«Unser Ziel ist die Meisterschaft», erklärte Trainer Louis van Gaal, der ohne Ballast wie den ausgeliehenen Weltmeister Luca Toni eine krisenfreie Rückrunde auch für sich selbst erhofft. Sein größter Sorgenfall bleibt der französische Dauer-Patient Ribéry: Er soll aber kommende Woche in Bremen sein langersehntes Comeback feiern. Gegen Hoffenheim muss Arjen Robben noch allein auf den Flügeln wirbeln, der Niederländer ist nach seiner Fußblessur rechtzeitig fit geworden. «Wir sind noch nicht top, aber viel besser als am Anfang», sagte Robben: «Ich habe viel Lust auf die zweite Saisonhälfte.»
Die voraussichtlichen Aufstellungen:
Bayern München: Butt - Lahm, van Buyten, Demichelis, Badstuber - Robben, van Bommel, Schweinsteiger, Müller - Gomez, Olic