Herbstmeister Bayer 04 Leverkusen wollte den Erfolg in der Winterpause am liebsten einfrieren. Während sich die Verfolger in sonnigen Gefilden auf die Bayer-Jagd vorbereiteten, trimmte Werkself-Chefcoach Jupp Heynckes seine Mannschaft für die Rückrunde in Leverkusen.
«Das macht uns nur noch härter. Außerdem werden wir solche Bedingungen beim Rückrundenstart haben», meinte der 64-Jährige nach zahlreichen Trainingseinheiten bei Kühlschrank-Temperaturen. Besonders kälteresistent zeigte sich Abwehrchef Sami Hyypiä, der auch bei tiefen Minus-Graden mit kurzer Hose die täglichen Einheiten absolvierte. «Für einen Finnen ist es nicht kalt, aber für einen Fußballer schon», sagte der 36-Jährige.
Tabellenplatz eins würden die in der Bundesliga-Hinserie ungeschlagenen Leverkusener gern bis zum 34. Spieltag schockgefrieren, wenn nicht ein doppelter «Fluch» die Gemüter erhitzen würde. Bayer 04 kämpft nämlich nicht nur gegen die Mitfavoriten Schalke 04, Bayern München, Hamburger SV oder Werder Bremen, sondern auch gegen den Ruf des ewigen Zweiten, der immer wieder nach der Winterpause abgestürzt ist.
«Ich finde sie wenig kreativ», erwidert Heynckes auf die stets wiederkehrende Frage nach der Angst vor dem Einbruch. «Ich kann nicht prophezeien, wo wir am Ende der Saison landen», sagte Bayer- Sportdirektor Rudi Völler vor dem ersten Rückrundenspiel gegen den FSV Mainz 05. «Aber ich bin sicher, dass uns Ähnliches nicht wieder passieren wird. Dazu sind wir mittlerweile viel zu stabil.»
Vom Titel träumen will man beim viermaligen deutschen Vizemeister nur im Geheimen, offizielles Ziel ist ein Europacup-Platz. «Wir sind nicht dumm und sprechen über etwas, das wir am Ende vielleicht bereuen könnten», meinte der Ex-Nationalstürmer defensiv. Klar ist aber auch: Wenn der Einzug ins internationale Geschäft im dritten Jahr hintereinander verpasst wird, hat dies gravierende Folgen. «Dann müssten wir den Gürtel enger schnallen, viel enger», warnte Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser.
Einen Einbruch befürchtet man beim Werksclub aber nicht wirklich, da für die zweite Saisonhälfte vier Stammkräfte wieder zur Verfügung stehen: Kapitän Simon Rolfes, Renato Augusto, Patrick Helmes und Michal Kadlec. Dafür wird Verteidiger Gonzalo Castro mindestens vier Wochen wegen eines Jochbeinbruches fehlen. Längere Zeit ausfallen wird auch Thomas Zdebel, der am linken Meniskus operiert wurde. Die Verletzung war nach dem Wintercup-Turnier in Düsseldorf festgestellt worden. Allerdings werden mit Ausnahme von Kadlec, der Castro links in der Viererkette ersetzen soll, die Rückkehrer wohl erst peu á peu integriert. «Sie sind noch nicht in bester Verfassung», stellte Heynckes fest und fügte an: «Die anderen haben ja hervorragend gespielt.»
Gespannt sein darf man vor allem auf das Comeback von Nationalstürmer Helmes, der wegen eines Kreuzbandrisses fast die gesamte Hinrunde fehlte. «Von der Fitness her bin ich in einem Topzustand. Besser als jemals zuvor», sagte der 25-jährige Torjäger, für den die Weltmeisterschaft in Südafrika ein Traum wäre, «aber nicht das primäre Ziel ist». Für Heynckes ist er eine gute Alternative: «Er wird sicher noch wichtig werden.» Konkurrenz um einen WM-Platz hat Helmes im eigenen Club durch Stefan Kießling, dem mit zwölf Toren besten Bundesliga-Stürmer der Hinserie. Ein Dutzend Treffer traut er sich auch in den nächsten 17 Spielen zu: «Vielleicht kann ich das noch toppen.»