Als die Schmach des Dreifach-Knockouts gegen Werder Bremen getilgt war, genossen die Profis des Hamburger SV die Ovationen ihrer Fans. Auch HSV-Coach Bruno Labbadia hatte nach dem 2:1 (2:0)-Sieg im 91. Fußball-Nordduell nur Lob für seine Derby-«Helden» parat.
«Das war das i-Tüpfelchen auf die Vorrunde», sagte Labbadia. Trotz teilweise zehn verletzter Spieler schlossen die Hamburger die Bundesliga-Rückrunde mit bemerkenswerten 31 Punkten als Tabellenvierter ab, nur vier Zähler hinter Spitzenreiter Bayer Leverkusen. «Uns ist wichtig, dass wir in Schlagdistanz zu allen internationalen Plätzen sind», meinte Clubboss Bernd Hoffmann.
Dem hanseatischen Rivalen aus Bremen (28) ging dagegen im Endspurt die Luft aus. Auch die Superserie von 23 Pflichtspielen ohne Niederlage reichte dem Team von Trainer Thomas Schaaf nicht, um oben zu überwintern. Dementsprechend zurückhaltend fiel die Zwischenbilanz von Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs aus. «Es ist klar, dass man jetzt nicht ganz zufrieden ist», meinte Allofs, der die jüngsten Niederlagen gegen Schalke und den HSV als «kleine Schramme» bezeichnete. Tim Wiese sieht in dem Sieben-Punkte-Rückstand auf Leverkusen hingegen kein gravierendes Problem, selbst die Meisterschaft hat der Nationalkeeper noch im Kopf: «An Wolfsburg hat man gesehen, dass man noch gut aufholen kann.»
Dabei hätten die Bremer auch in Hamburg für ein besseres Halbzeit- Zeugnis sorgen können. Denn nach der Roten Karte für Jerome Boateng (32. Minute) agierte die Schaaf-Elf eine Stunde lang in Überzahl und traf durch Naldo (27.), Aaron Hunt (84.) und Marko Marin (85.) gleich dreimal die Latte. Doch mehr als die Ergebniskorrektur durch Naldo (90.+2) sprang nicht aus ihren Bemühungen heraus.
Stattdessen musste der Tabellensechste mit ansehen, wie sich der HSV durch die Tore von Joris Mathijsen (9.) und Marcell Jansen (36.) für die Pleiten der vorigen Saison, als ihnen die Bremer binnen 19 Tagen die Chancen in Pokal, Europa League und Meisterschaft verdorben hatten, revanchierte. «Der Stachel aus dem Vorjahr war sehr tief gesessen», gab Labbadia zu. Sein Kollege Schaaf haderte indes mit seinen Ball-Künstlern um den diesmal blassen Mesut Özil: «Wir haben kopflos und viel zu kompliziert gespielt», kritisierte Schaaf.
Vor 57 000 Zuschauern in der ausverkauften Hamburger Arena fanden die Hausherren bei Schneefall und desolaten Platzverhältnissen besser ins Spiel. Angetrieben vom überragenden Eljero Elia und Jansen, der kurz vor Schluss verletzt ausgewechselt werden musste, setzten sie die Bremer unter Druck. Doch zunächst schnappte die Abseitsfalle der Werder-Abwehr, in der Sebastian Prödl und Petri Pasanen die verletzten Clemens Fritz und Sebastian Boenisch ersetzten, ein ums andere Mal zu.
Beim Eckball von Dennis Aogo in der 9. Minute aber schlief die Gäste-Defensive kollektiv. Jansen verlängerte und Mathijsen vollendete per Kopf. Erst nach 27 Minuten war es Naldo, der per Rückzieher an die Latte für die erste Bremer Chance sorgte. Kurz darauf flog Boateng vom Platz: Der Nationalspieler brachte Marko Marin zu Fall, was Schiedsrichter Florian Meyer (Burgdorf) als Notbremse wertete.
Die wütenden Pfiffe der HSV-Fans verstummten vier Minuten später, als Elia die aufgerückte Bremer Abwehr düpierte, Jansen freispielte und so das 2:0 vorbereitete. Torhüter Wiese war dabei zu weit aus seinem Tor geeilt und wurde von Jansens Lupfer kalt erwischt.
Trotz Unterzahl blieb der HSV lange das bessere Team, bis Schaaf mit der Einwechslung des Angreifers Markus Rosenberg noch einmal frischen Wind ins Bremer Spiel brachte. Gegen die einzige HSV-Spitze Mladen Petric, der wie Jansen (69.) in einer starken Viertelstunde nach der Pause zweimal (52./57.) an Wiese scheiterte, verteidigte Werder nun mit einer Dreierkette. Vorne aber verpassten Hunt (64./84.) und Marin (79./85.) das mögliche 1:2, das erst Naldo mit seinem zehnten Pflichtspieltor in dieser Saison gelang. Es kam aber zu spät, um die dritte Saisonniederlage noch abzuwenden.