BVB-Sturmlauf weckt Erwartungen
Dortmund (dpa) - 06.12.2009, 09:45 Uhr
Dortmunds Trainer Jürgen Klopp (Mitte) applaudiert während sein Team den 4:0-Sieg feiert.
Noch vor zwei Monaten gab es reichlich Schelte, in den vergangenen Wochen jede Menge Lob. Nach einem dürftigen Saisonstart setzt Borussia Dortmund zum Sturmlauf auf die internationalen Plätze an. Das famose 4:0 (3:0) über den 1. FC Nürnberg versetzte die Fans in Partylaune. Angesichts von acht Spielen ohne Niederlage sah BVB-Coach Jürgen Klopp großzügig über das leichtfertige Auslassen weiterer Torchancen hinweg: «Es ist okay, dass nicht mehr Treffer gefallen sind. Das wäre in einer leicht zu euphorisierenden Stadt wie Dortmund nur schwer zu erklären.» Gleichwohl hat seine junge Mannschaft mit einem Durchschnittsalter von 23,7 Jahren in der Revierstadt neue Erwartungen geweckt. Seit dem schmerzlichen 0:1 im Revierderby am 7. Spieltag gegen den FC Schalke und dem Sturz auf Rang 15 verbuchte sie 18 von 24 möglichen Punkten und kassierte in diesem Zeitraum nur drei Gegentore. Selbst ihre Zurückhaltung beim Toreschießen hat die Borussia mittlerweile abgelegt. Kevin Großkreutz (8.), Lucas Barrios (13.), Mohamed Zidan (36.) und Mats Hummels (61.) trafen zum höchsten Saisonsieg. Diese Entwicklung gab den Fans den fast schon verlorenen Glauben an eine Rückkehr des BVB auf die internationale Fußball-Bühne zurück.
Von solchen Zielen können die Nürnberger derzeit nur träumen. Eine Woche nach dem 0:1 im Heimspiel gegen Freiburg blieb das Team erneut den Klassennachweis schuldig. Schon 15 Minuten vor dem Schlusspfiff reagierte der eigene Anhang mit Hohn und Spott. «Ihr seid und bleibt Lutscher» stand auf einem im Gästeblock ausgerollten Transparent zu lesen. Mit weniger sarkastischen, aber ebenso deutlichen Worten kommentierte Profi Andreas Wolf den Auftritt: «Ganz klar, so werden wir absteigen. Jeder muss sich hinterfragen, ob er alles für den Erfolg tut.» Anders als noch beim 3:2-Coup im vorigen Auswärtsspiel in Wolfsburg wurde die mutige Flucht nach vorn diesmal nicht belohnt. Nur die Abschlussschwäche und die gute Leistung von Schäfer-Ersatz Alexander Stephan im Tor verhinderten ein noch größeres Debakel. «Wir haben nur offensiv gedacht, aber in der Defensive haarsträubende Fehler gemacht», klagte Michael Oenning, «aber manchmal helfen solche Spiele.» Ähnlich wie der Trainer hofft auch Abwehrspieler Dennis Diekmeier auf eine Trotzreaktion des Teams in den kommenden zwei Spielen bis zur Winterpause: «Nach dem 0:4 in Leverkusen sind wir auch zurückgekommen. Das wird uns diesmal wieder gelingen.» Hält die Serie der Borussia auch in den Spielen beim VfL Wolfsburg und gegen den SC Freiburg, steht einer unbeschwerten Geburtstagsparty zum 100. Geburtstag ihres Clubs in der Westfalenhalle im Anschluss an das letzte Hinrundenspiel nichts mehr in Wege. Die jüngsten Lobeshymnen werden das unerfahrene Team nach Einschätzung von Klopp nicht zum Leichtsinn verleiten: «Wir wurden in der vergangenen Woche nahezu gar nicht kritisiert. Ich war mir deshalb nicht sicher, wie die Jungs damit umgehen. Rückblickend kann ich sagen: Es bestand nicht im Ansatz die Gefahr, dass wir mit einem Prozent zu wenig Leidenschaft in die Partie gehen.»
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