«Endspiel» für Soldo - Ohne Podolski in Bochum
Bochum (dpa) - 26.11.2009, 19:31 Uhr
Zvonimir Soldo gibt seinen Spielern auf dem Platz Instruktionen.
Vor dem richtungsweisenden Keller-Duell in Bochum nimmt der Druck auf Zvonimir Soldo zu, doch von einem Spieler- Aufstand gegen den Trainer will beim 1. FC Köln niemand etwas wissen. Auch der Fußball-Lehrer selbst nicht. «Das Verhältnis zur Mannschaft ist intakt. Ich habe nicht den Eindruck, dass die Spieler Politik gegen mich machen», sagte Soldo in Köln vor dem West- Schlager beim VfL Bochum. Angesichts der sportlichen Talfahrt hat die Partie des Tabellen- 15. beim Bundesliga-Vorletzten aber bereits finalen Charakter für Soldo. Auf Gedankenspiele, ob er im Fall eines ähnlich desolaten Auftritts wie beim 0:4 gegen 1899 Hoffenheim mit seiner Entlassung rechnen müsse, ließ sich der 42-Jährige aber nicht ein. «Ich schaue nach vorn. Vor der Mannschaft erwarte ich in Bochum jetzt hundert Prozent Einsatz und Engagement», betonte Soldo, dessen Position nach der desaströsen Heimpleite aber weiter geschwächt scheint. Darüber hinaus muss er fürchten, dass seine Autorität von einigen Spielern gezielt untergraben wird.
Denn einige Dinge, die auf einer internen Mannschaftssitzung besprochen worden waren, drangen über «Maulwürfe» in die Öffentlichkeit. Das brachte Soldo auf die Palme. «Ich bin kein Polizist. Aber in jeder Mannschaft gibt es einen Ehrenkodex. Und das war eine eindeutige Verletzung, so etwas habe ich noch nicht erlebt», sagte Soldo, der im «Kicker»-Interview zudem beklagte: «Mit den Personen, die diese Dinge nach außen tragen, kann man keinen Krieg gewinnen.» Namen der Verdächtigen nannte Soldo nicht, doch als Konsequenz wolle er nun «mehr Einzelgespräche» führen. Bei dem Teamtreffen sollen klare Worte gefallen sein, die Manager Michael Meier im Gegensatz zum Kölner Boulevard («Spieler-Revolte») als reinigendes Gewitter interpretiert: «Es gab keine Revolte gegen Zvonimir Soldo, sondern wir haben alle offen und konstruktiv darüber nachgedacht, was wir gemeinsam verbessern können.» Die Spieler seien «selbstkritisch, offen und fair» miteinander umgegangen. Die Ergebnisse der Aussprache müssten nun jedoch beim Spiel in Bochum auf dem Platz sichtbar werden, fordert Meier: «Wir haben gemeinsam die Richtung vorgegeben, aber nun müssen Taten folgen.» |
Einfach wird das nicht. Zumal - der bisher allerdings nur im Nationaldress überzeugende - Lukas Podolski (Gelbsperre) fehlt und dem formschwachen Soldo-Kritiker Milivoje Novakovic die Bank droht. Dieser ist nach seiner Auseinandersetzung mit Soldo nicht mehr Kapitän des 1. FC Köln. Gegen Bochum wird der Portugiese Petit die Kapitänsbinde tragen. «Ich habe Milivoje die Chance gegeben, dass er sich nach den Vorkommnissen der letzten Woche bei mir und der Mannschaft entschuldigt. Diese Chance hat er jedoch nicht genutzt. Ich brauche einen Kapitän, der mein verlängerter Arm auf dem Spielfeld ist und zu dem ein gegenseitiges respektvolles Verhältnis besteht», begründete Soldo seine Maßnahme. Der Verein hatte am 19. November Novakovic eigens mit einem Privatjet aus Slowenien ausfliegen lassen, um eine optimale Vorbereitung des Profis auf die Bundesliga-Partie gegen 1899 Hoffenheim (0:4) zu gewährleisten. Nach dieser Aktion hatte sich Novakovic über «wenig Respekt» des Vereins beklagt. Anders als beim FC zeigt die Formkurve der Bochumer nach oben. Mit dem 1:0 beim Hamburger SV feierte der VfL den ersten Sieg unter Heiko Herrlich und tankte neues Selbstvertrauen. Gleichwohl sei angesichts der prekären Lage längst keine Entspannung angesagt, meinte Herrlich, der auf Anthar Yahia, Mimoun Azaouagh und Philipp Bönig (alle verletzt) sowie Zlatko Dedic (Schweinegrippe) verzichten muss. «Der Druck ist der gleiche geblieben», sagte Herrlich. Das Theater in Köln interessiert ihn nicht: «Davon lassen wir uns nicht beeinflussen. Wir konzentrieren uns nur auf unser Spiel. Und das will ich gewinnen.»
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