Besonnen, fast ein bisschen kühl blickt Klaus Fichtel auf seine Karriere zurück. Seine Freude am Fußball klingt aus seinen Worten kaum heraus.
«Ich war immer ein Typ, der alles nüchtern gesehen und den Beruf als Profi sehr ernst genommen hat», sagt das Schalker Idol in einem Gespräch der Deutschen Presse-Agentur dpa, «und wenn man diese Einstellung hat, glaube ich, kommt man sehr weit.» Der 23-fache Nationalspieler hat es weit gebracht, vor allem aber hat er sehr lange die Stadien der Bundesliga beackert. Mit 43 Jahren, 6 Monaten und 2 Tagen ist er der älteste Fußballer, der bisher im Oberhaus gespielt hat.
Fichtel, genannt «Tanne», war der Zuverlässige, lebte solide, blieb bescheiden und bodenständig. Er war nie der Mann für schrille Töne, nie ein Sprücheklopfer oder schillernder Superstar - und dennoch eine Ausnahmeerscheinung. «Wenn einer ein Vorbild für die Jugend ist, dann der Klaus», sagte Franz Beckenbauer einmal. Fichtel feiert am 19. November seinen 65. Geburtstag. «Mit Bekannten in Spanien und hoffentlich mit Sonne», wie der ehemalige Verteidiger mit einem leichten Lachen erzählt.
Seinem Revierclub Schalke 04 ist der gelernte Bergmann auch im Alter noch verbunden. Er arbeitet als Scout, besucht die Heimspiele und kickt einmal die Woche mit der Traditionsmannschaft. «Solange die Beine das noch mitmachen, werde ich das sicher noch weitermachen», sagt der Pokalsieger von 1972, der in Waltrop - etwa 30 Kilometer von Gelsenkirchen entfernt - lebt.
Sein Einstand in der ersten Liga im August 1965 ging mit einem Eigentor gründlich daneben. Bei seinem endgültigen Abschied im Mai 1988 schmerzte der Schalker Abstieg. Doch in den knapp 23 Jahren dazwischen arbeitete sich der Vorstopper aus dem Kohlenpott in die Elite des deutschen Fußballs hoch und blieb eine Konstante im Kommen und Gehen der Fußballer-Generationen.