Formschwache Brasilianer: Therapie Heimaturlaub
Düsseldorf (dpa) - 18.11.2009, 11:44 Uhr
Wolfsburgs Armin Veh gibt Grafite Tipps
Beim Versuch, hadernde brasilianische Kicker wieder auf Trab zu bringen, gewähren immer mehr Fußball-Bundesligisten ihren Angestellten Sonderrechte. Mit Grafite, Rafinha und Renato Augusto traten bislang gleich drei Südamerikaner einen von ihren Clubs abgesegneten Kurztrip an. Mit verblüffendem Erfolg: Kaum waren der Schalker Rafinha und der Wolfsburger Grafite zurück, ging ihre Formkurve nach oben. So beendete der Wolfsburger Angreifer mit seinem Treffer am vorigen Spieltag bei 1899 Hoffenheim eine fast zweimonatige Bundesliga-Torflaute. «Ich habe viel Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden verbracht. Das war sehr wichtig für mich», kommentierte der vom Heimweh kurierte Bundesliga-Torschützenkönig Grafite. Zuckerhut statt Peitsche - auf die kleine Flucht der Brasilianer in die Heimat reagieren manche Trainer nicht mehr mit hohen Geldstrafen, sondern mit Verständnis. Selbst Disziplinfanatiker Felix Magath gewährte Rafinha eine Verschnaufpause unter südamerikanischer Sonne. Mit dieser Maßnahme nahm er den Rechtsverteidiger aus der Schusslinie. Dessen Formschwäche und Flirt mit dem FC Bayern hatten ihm beim Heimspiel gegen den SC Freiburg Pfiffe der eigenen Fans eingebracht.
Auf Rafinhas Entscheidung, seinen Heimaturlaub eigenmächtig um eine zweite Woche zu verlängern, reagierte Magath erstaunlich nachsichtig. Nur zwei Tage nach seiner Rückkehr stand der Profi wieder in der Startelf. «Ich konnte davon ausgehen, dass er in einem guten Zustand ist», kommentierte Magath. Die Reaktion der Fans überraschte: Statt Unmutsbekundungen der Anhänger gab es während der Partie gegen Wolfsburg aufmunternden Applaus für Rafinha. Ähnliche Überlegungen wie Magath verleiteten auch Armin Veh zu einer pragmatischen Sicht der Dinge. Schließlich waren alle früheren Versuche des VfL-Trainers fehlgeschlagen, den schwächelnden und meuternden Angreifer Grafite zurück zur Form vergangener Tage zu führen. «Ich habe eine Geschichte in diesem Club und ein bisschen mehr Respekt verdient», hatte Grafite nach seiner Auswechslung im Spiel beim VfL Bochum geklagt. Der Frust entlud sich wenig später noch auf andere Weise: Im Champions-League-Duell mit Besiktas Istanbul ohrfeigte er Gegenspieler Ibrahim Kas und sah «Rot». |