An Fußball nicht zu denken: 96 im Ausnahmezustand
Hannover (dpa) - 12.11.2009, 17:14 Uhr
Tausende Fans trauern in Hannover um Robert Enke vor dem Stadion.
An Fußball ist nicht zu denken. Hannover 96 löst sich nur langsam aus der Schockstarre, befindet sich nach dem freiwilligen Tod des Torhüter-Idols Robert Enke aber weiter im Ausnahmezustand. «Robert hat uns einige Aufgaben hinterlassen», sagte 96-Manager Jörg Schmadtke. Und er meinte nicht die Organisation der Trauerfeier für mehrere Zehntausend Menschen, die Absage aller Jugendspiele oder eine mögliche Verlegung des nächsten Bundesligaspiels. Schmadtke geht es vor allem um die Lehren aus «dieser Tragödie: Sie gibt Anlass, über bestimmte Dinge nachzudenken, die in dem Geschäft üblich sind und hingenommen werden.» Vor der Geschäftsstelle und dem Stadion des Fußball-Bundesligisten stellten auch am zweiten Tag nach dem Selbstmord des Nationalspielers noch viele Menschen Kerzen auf oder trugen sich in den Kondolenzbüchern ein. In der Geschäftsstelle planten die Verantwortlichen derweil vor allem die Trauerfeier. 96 rechnet für den offiziellen Teil am Sonntag um 11.00 Uhr in der AWD-Arena mit mehreren zehntausend Teilnehmern. «Wir stellen uns darauf ein, dass das Stadion auch voll werden könnte», sagte Clubchef Martin Kind der Deutschen Presse-Agentur dpa. In die Arena dürfen 45 000 Menschen.
Bereits beim Trauermarsch am Vortag durch die Stadt zum Stadion hatten 35 000 Menschen Enkes gedacht. Die auch zahlenmäßig unerwartet große Anteilnahme der Hannoveraner hat auch die Verantwortlichen des Vereins überwältigt. An der Gedenkfeier im Stadion wird Bundestrainer Joachim Löw mit mehreren Spielern um Kapitän Michael Ballack sowie dem gesamten Betreuerstab der deutschen Fußball-Nationalmannschaft teilnehmen. Gäste aus ganz Deutschland haben sich angekündigt, darunter Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann, der frühere DFB-Teamchef Rudi Völler und der ehemalige Nationaltorwart Jens Lehmann. Bei der Trauerfeier wird der Sarg von Robert Enke auf dem Rasen aufgebahrt. Danach sollen eine kirchliche Andacht sowie Trauerreden von Hannover 96-Präsident Martin Kind, Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff, Oberbürgermeister Stephan Weil und DFB-Präsident Theo Zwanziger folgen. |
Überschaubarer und ruhiger soll die Beisetzung des toten Fußball-Nationaltorhüters anschließend in Empede, einem Ortsteil von Neustadt am Rübenberge, ablaufen. Das Begräbnis ist im familiären Kreis geplant, auch Mitspieler werden erwartet. Auf dem Friedhof von Emepde befindet sich auch das Grab von Tochter Lara Enke, die 2006 gestorben war. Offen ist derzeit, ob das Team von Hannover 96 wie geplant am 21. November bei Schalke 04 antreten wird. Über den Antrag einer Spielverlegung wird intern beraten. «Das ist noch nicht konkret, aber wir denken über die Möglichkeit nach», sagte Schmadtke. «Im Moment ist es sehr schwierig, die Situation abzuschätzen. Wir müssen abwarten, wie sich die Mannschaft präsentiert.» Die Profis trainieren derzeit nur individuell. Über eine Verlegung der Bundesligapartie muss die Deutsche Fußball-Liga (DFL) entscheiden. Abgesagt sind bereits alle Spiele der Jugendmannschaften des Bundesligisten für das kommende Wochenende. Die aktuellen Erfordernisse drängen derzeit noch die von Schmadtke angeregte Diskussion über die Lehren in den Hintergrund. «Wir müssen darüber reden, wie wir damit umgehen. Das ist eine schwierige Diskussion», sagte der 96-Manager. «Aber wir müssen die Diskussion darüber zulassen.»
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