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Sven Hannawald: Depression war Alarmsignal

Leipzig (dpa) - 12.11.2009, 14:46 Uhr

Sven Hannawald als Zuschauer bei der Vierschanzen-Tournee 2008.
Sven Hannawald als Zuschauer bei der Vierschanzen-Tournee 2008.

Sven Hannawald klingt erleichtert. Offen und ohne Scheu spricht der Skisprung-Olympiasieger von 2002 im Zusammenhang mit dem tragischen Selbstmord von Fußball-Nationaltorhüter Robert Enke über Depressionen, ihre Auswirkungen sowie Chancen, ihnen zu begegnen.

«Ich bin froh, dass ich damals den Weg - auch in die Klinik - gegangen bin», sagte der 35-Jährige in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. 2005 war die Karriere des Ausnahme-Athleten an den Folgen einer Depression zu Ende gegangen.

«Die Depression war ein Alarmsignal meines Körpers, dass ich etwas ändern muss», sagte Hannawald. Er entschied sich auf dem Höhepunkt seines sportlichen Ruhms zum Ausstieg. «Mir ist es damit bessergegangen, da ich neben dem Sport auch die Liebe und Zuneigung meiner Familie hatte», erzählt der gebürtige Sachse, der in der Saison 2001/2002 als bislang einziger Skispringer alle Stationen der Vierschanzentournee gewonnen hatte. Zwei Jahre später bemerkte er Veränderungen an sich.

«Wenn man merkt, dass man nicht zur Ruhe kommt, sind das erste Anzeichen und man sollte einen Arzt aufsuchen.» Er vertraute sich den Medizinern an, begab sich in Behandlung und fand Heilung. «Ich wollte, dass mit mir wieder alles in Ordnung kommt», betont der zweimalige Skiflug-Weltmeister. Gründe, die zum Ausbruch der Depression führten, kann er nicht nennen. «Die Krankheit ist aufgetreten und die Gründe sind vielflächig. Man muss auch der Typ dafür sein. Andere haben den Druck auch, gehen aber anders damit um», betonte Hannawald.

Der Tod Robert Enkes hat ihn betroffen gemacht. «Ich bin wie wohl alle Leute bestürzt. Ich habe Mitleid und Trauer mit seiner Frau und seiner Tochter», sagte Hannawald, will aber seine Art der Erkrankung nicht mit der Enkes vergleichen. «Ich glaube nicht, dass man das 1:1 übertragen kann. Ich bin froh, dass ich den professionellen Weg mit einem Klinikbesuch gegangen bin. Das war die letzte Chance, dass mir Jemand helfen kann. Dass ich den gleichen Weg wie Robert Enke gegangen wäre, glaube ich nicht», betonte Hannawald.


Suizid-Gedanken hatte er nicht. «Bei mir war die Krankheit im Anfangsstadium. Ich habe das ein Jahr mit mir herumgeschleppt. So was wird in der Klinik schnell aufgedeckt», sagte der «Sportler des Jahres 2002». Enke hätte sich sechs Jahre in diesem Leben aufgehalten. «Schon die Anfangsphase ist so heftig, dass ich damit nie sechs Jahre hätte umgehen können», bemerkt Hannawald.

Er hofft, dass die Öffentlichkeit die Krankheit Depression künftig anders beurteilt. «Man sieht, dass das von der Tragweite her extrem ist. Das ist ein öffentliches Beispiel dafür, wie das Ende der Krankheit sein kann», sagte Hannawald, ist aber dagegen, dass Sportler ihre Probleme an die «große Glocke» hängen: «Wenn mir vom Arzt geraten wird, in die Klinik zu gehen, würde ich das machen. Und wenn es dann bekanntwerden würde, würde ich darüber reden. Aber ich würde jetzt nicht zu den Medien gehen und sagen: Ich habe Depressionen.»

Hannawald kann sich vorstellen, betroffenen Sportlern einen Rat zu geben. «Ich würde natürlich keine öffentlichen Sitzungen abhalten», erklärt er und verweist nochmals auf die professionelle Hilfe: «Das heißt ja nicht gleich Klinik. Ein Klinikbesuch bedeutet, es ist kurz vor knapp.»

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