Skibbe provoziert mit Brandrede - Bayer meisterlich
Leverkusen (dpa) - 08.11.2009, 10:10 Uhr
Leverkusens Trainer Jupp Heynckes (l) begrüßt seinen Frankfurter Kollegen Michael Skibbe.
Mit einer Brandrede nach der Auswärtspleite gegen den unbesiegten Spitzenreiter Bayer Leverkusen hat Michael Skibbe bei Eintracht Frankfurt für Feuer unterm Dach gesorgt. «Wenn wir nicht in allen Bereichen Vollgas geben, werden wir zwar nicht durchgereicht, aber schwächer und schwächer werden», schimpfte wutentbrannt der 44 Jahre alte Fußball-Lehrer, der bis Oktober 2008 am Rhein tätig war. Und ergänzte nach dem bitteren 0:4: «Wir müssen uns im Verein in den nächsten anderthalb Jahren völlig neu aufstellen, um wieder Konkurrenzfähigkeit herzustellen.» Die Attacke nach dem Bundesliga-unwürdigen Auftritt war vor allem auf den Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen gerichtet, für neues Personal mit Perspektive zu sorgen. Der Clubchef parierte den Angriff kühl: «Wir sind im Vorstand selbstbewusst genug zu wissen, dass wir das schon richtig machen.» Allerdings verbarg auch er seinen Schock über das Debakel nicht. «Das war ganz schlimm», sagte Bruchhagen. «Erstaunlich, dass wir so viele Leute hinten hatten, aber keine Kompaktheit.» Überfallartig hatten die Gastgeber durch Stefan Kießling (2.), Stefan Reinartz (6.) und Toni Kroos (11.) schon nach elf Minuten das Spiel im Sack. Lars Bender (86.) schoss das 4:0.
Für die Werkself ist der Titel noch in weiter Ferne, doch der Traum vom ersten Meistercoup wird lebendiger. «Schön gespielt, da gibt es nichts zu meckern», urteilte Bayer-Sportdirektor Rudi Völler zufrieden, betonte aber: «Es hat sich nichts geändert nach dem 4:0. Andere Clubs wie Bremen, HSV, Schalke oder Bayern sind dicht dran.» Die Zwischenbilanz nach zwölf ungeschlagenen Partien kann sich sehen lassen: Zum sechsten Mal bleibt der viermalige Vizemeister Tabellenführer - das gelang zuletzt in der Saison 2003/04. Dies ist sowohl das Verdienst der besten Liga-Abwehr (8 Gegentore) und der starken Offensiv-Abteilung (25 Treffer). «Die Mannschaft ist jung und hat noch Potenzial», meinte Bayer-Chefcoach Jupp Heynckes, der die Erfolgsserie auch in zwei Wochen beim FC Bayern fortsetzen will. |