Chef-Rüge für Lahms Kritik an Bayern-Politik
München (dpa) - 07.11.2009, 18:00 Uhr
Bayerns Philip Lahm (r) spielt nach seiner Kritik den Schalker Vicente Sanchez aus.
München (dpa) - Klartext von Philipp Lahm: Mit bemerkenswerter Offenheit hat der Fußball-Nationalspieler die Probleme des FC Bayern München unter dem neuen Trainer Louis van Gaal benannt und dabei der Vereinsführung grobe Versäumnisse in der Planung und Transfer-Politik vorgehalten. «In der Vergangenheit lief das mit den Transfers nicht immer glücklich», erklärte der stellvertretende Kapitän vor dem Bundesliga-Heimspiel gegen Schalke 04 in einem Interview mit der «Süddeutschen Zeitung» und kritisierte als ein Grundübel das Fehlen einer «Spielphilosophie» beim Rekordmeister. Lahms Kritik wird wohl nicht folgenlos bleiben. Ein angesäuerter Bayern-Manager Uli Hoeneß kündigte auf die Nachfrage von Reportern bei «Sky» an, «sie können versichert sein, dass Lahm dieses Interview noch bedauern wird.» Bayerns Präsident Franz Beckenbauer forderte von Lahm, «sich selbst an die Nase zu fassen». «Er kommt auch nicht an seine beste Leistung heran», sagte Beckenbauer bei «Sky» in der Halbzeit der Bundesliga-Partie gegen Schalke 04. Ohne das Interview gelesen zu haben, wehrte sich der «Kaiser» gegen den Vorwurf einer verfehlten Einkaufspolitik: «Ich glaube, die Einkaufspolitik der letzten 40 Jahre war gut und fruchtbar. Umsonst sind wir nicht so oft Deutscher Meister geworden.»
Vereine wie Manchester United oder der FC Barcelona gäben ein Spielsystem vor und würden dann gezielt dafür Spieler einkaufen, monierte Lahm. «So etwas gibt es bei uns nicht: Dass der Verein etwas vorgibt und alles darauf aufgebaut wird», bemerkte der 25-Jährige. Seine Kritik erläuterte der Abwehrspieler unter anderem an den Millionen-Transfers von Mario Gomez und dem erst nach Saisonbeginn von Real Madrid verpflichteten Arjen Robben. «Wenn ich einen Mario Gomez kaufe, muss ich sagen: Okay, dann spielen wir mit zwei Spitzen. Und wir haben ja auch in der gesamten Vorbereitung nur 4-4-2 gespielt. Und dann kommt plötzlich Robben, ein toller Spieler, der zu uns passt - und der am liebsten 4-3-3 spielt», erläuterte Lahm - und kommt zu dem Fazit: «Man darf Spieler nicht einfach kaufen, weil sie gut sind...» Van Gaal gilt als Verfechter des 4-3-3-Systems mit zwei Außen- und nur einem zentralen Angreifer. Dann haben die Bayern aber mit Gomez, Luca Toni und Miroslav Klose ein Überangebot an Mittelstürmern, zwei müssen auf die Bank. Für das 4-4-3 werden der verletzte Franck Ribéry und der zuletzt am Knie operierte Robben gebraucht. Der FC Barcelona dagegen habe vor dieser Saison zwar den Schweden Zlatan Ibrahimovic gekauft, aber zugleich den Kameruner Samuel Eto'o abgegeben. «Weil sie gewusst haben: Bei uns spielen vorne (Thierry) Henry und Ibrahimovic, und ein Dritter von diesem Kaliber sorgt nur für Ärger, wenn einer immer auf der Bank sitzt», schilderte Lahm. |