Neue Defensivtugend: Bremen plant Sturm auf Spitze
Bochum (dpa) - 26.10.2009, 12:13 Uhr
Der Bremer Torschütze zum 3:1 Tim Borowski (r) jubelt mit Sebastian Boenisch.
Neue Defensivtugend, alte Angriffsstärke - mit dieser bislang ungekannten Balance plant Werder Bremen den Sturm auf die Tabellenspitze. «Wir hoffen natürlich alle, dass wir bald ganz oben sind. Aber wenn es so weiter geht, habe ich da keine Bedenken», formulierte Fußball-Nationalspieler Marko Marin die Ansprüche nach dem 4:1 (2:1)-Erfolg beim VfL Bochum. Durch das 15. Pflichtspiel ohne Niederlage und den vierten Bundesliga-Sieg in Serie hat sich Werder bis auf einen Zähler an Tabellenführer Bayer Leverkusen herangeschoben. «Punktemäßig sind wir schon eine Spitzenmannschaft, aber es gibt immer etwas zu verbessern», meinte Innenverteidiger Per Mertesacker. Doch gerade die ewige Werder-Baustelle in der Verteidigung scheint diese Saison geschlossen worden zu sein. Nach zehn Spieltagen hat die zweitbeste Abwehr der Liga erst sieben Gegentore kassiert - so wenige wie zuletzt 1987/1988 (sechs), als Otto Rehhagel Bremen zum Titel mauerte. «Es geht nur über diese Defensivarbeit, die uns die ganzen Spiele jetzt ausgezeichnet hat», sagte Mertesacker. «Wir versuchen so schnell wie möglich mit möglichst vielen Spielern hinter den Ball zu kommen. Da haben wir deutliche Fortschritte gemacht.» Noch im Vorjahr hatte Bremen zu diesem Zeitpunkt bereits 22 Gegentreffer kassiert. Nicht nur deshalb spricht Stürmer Claudio Pizarro weiter vom Titelgewinn als Saisonziel.
Im Kollektiv hat sich das Team von Thomas Schaaf Stabilität und Konstanz angeeignet, auch weil das Angriffsspiel erstmals seit Jahren nicht mehr auf einen großen Einzelkönner wie Diego oder Johan Micoud ausgerichtet ist. «Wenn man Veränderungen vornehmen muss, birgt es Möglichkeiten, sich auf andere Art und Weise weiterzuentwickeln», analysierte Geschäftsführer Klaus Allofs. Nach 38 Sekunden deutete in Bochum noch alles auf einen schlimmen Rückfall hin - doch den Schock durch den frühen Treffer des Bochumers Stanislav Sestak und die folgende Konfusion in der Hintermannschaft verkraftete Bremen im Stil einer Klassemannschaft. Besonders das junge Offensiv-Trio um Aaron Hunt (9. Minute), Marko Marin (32.) und Mesut Özil (90.+1) verspricht eine blendende Zukunft. Tim Borowski sorgte nach seiner Einwechslung in der 76. Minute für die Entscheidung. Durch drei Siege und zwei Unentschieden auf fremdem Platz hat Bremen bereits so viele Auswärtspunkte (elf) gesammelt wie in der gesamten vergangenen Saison. «Das ist doch schön. Es ist auch nicht unser Anspruch, irgendwo auf Platz zehn rumzugurken», sagte Außenverteidiger Sebastian Boenisch. Einzig Torwart Tim Wiese stimmte nicht in den Jubel mit ein. Früh war seine Jagd auf den Vereinsrekord von Oliver Reck (641 Minuten ohne Gegentor) beendet. «Da war für mich das Spiel eigentlich schon gelaufen», sagte der Nationalkeeper, dem nur 23 Minuten zur neuen Bestmarke fehlten. Doch Mertesacker machte seinem Schlussmann schnell wieder Mut: «Ich glaube, so eine Serie opfert man gerne für einen Bundesligasieg. Das hat er bereits vergessen, er spricht schon wieder von einer neuen Serie.»
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