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Kapitän Hitzlsperger kriselt: «Kommt knüppeldick»

Stuttgart (dpa) - 20.10.2009, 11:59 Uhr

Thomas Hitzlsperger spricht in Stuttgart während einer Pressekonferenz.
Thomas Hitzlsperger spricht in Stuttgart während einer Pressekonferenz.

In der Nationalmannschaft den Stammplatz verloren, in der Bundesliga immer häufiger auf der Bank: Thomas Hitzlsperger ist derzeit nur noch zweite Wahl.

«Momentan kommt es knüppeldick, aber das nehme ich an», sagte der in der Krise steckende Kapitän des VfB Stuttgart vor dem Champions-League-Knaller gegen den spanischen Spitzenclub FC Sevilla nachdenklich und kämpferisch zugleich. «Wenn es mir gelingt, da gestärkt herauszukommen, bedeutet dies einen weiteren Schritt nach vorn.»

Doch momentan geht es bei dem Fußballprofi eher rückwärts. «Ich hatte schon einige Tiefs, aber das derzeitige hat eine neue Dimension», räumt der 27 Jahre alte gebürtige Münchner ein. Hitzlspergers Formtief weist verblüffende Parallelen zum Sinkflug der seit Wochen schwächelnden Schwaben auf. Beinahe so, als seien die sportlichen Schicksale des vormaligen Leistungsträgers und des Ex- Meisters symbiotisch miteinander verbunden.

Für viele Kritiker gilt der Kapitän als einer der Hauptsündenböcke für die VfB-Talfahrt. Aber Hitzlsperger lässt das so nicht gelten. «Derzeit bringt bei uns kaum einer Top-Leistungen. Das trifft auch auf mich zu», sprach er von einem grundlegenden und generellen Problem, das nur gemeinsam gelöst werden könne. «Ich häng mich jeden Tag rein - und ich denke, wir kommen da wieder raus.»

Bei den Vereinsverantwortlichen steht der Führungsfußballer aber besonders im Fokus. «Thomas hat derzeit nicht die Form», begründete Teamchef Markus Babbel die bereits dritte Verbannung Hitzlspergers im neunten Punktspiel aus der Startelf. «Er muss jetzt einfach mal runterkommen - auf Reset gehen. Ich werde ihm helfen, wieder zu dem Spieler zu werden, den wir brauchen.» Sportdirektor Horst Heldt betonte, Hitzlsperger erhalte keine Sonderbehandlung: «Die Kapitänsbinde bedeutet nicht, dass seine Leistungen nicht analysiert werden.» Der Kritisierte kontert, die Kapitänsbinde bedeute nicht, «für den Rest des Lebens gut Fußball zu spielen».


Auch bei Joachim Löw rückte der 50-malige Nationalspieler in die zweite Reihe. Ausgerechnet im entscheidenden WM-Qualifikationsspiel in Russland gab der Bundestrainer Simon Rolfes vom Spitzenreiter Bayer Leverkusen den Vorzug. Und in der unbedeutenden Partie gegen Finnland wechselte er den schwachen Hitzlsperger zur Halbzeit aus. Auch wenn die WM-Nominierung des schussgewaltigen Mittelfeldmannes nicht in Gefahr zu sein scheint, ist ein Stammplatz momentan in weite Ferne gerückt.

In seiner möglicherweise schwierigsten Phase als Profi tankt der bodenständig und bescheiden gebliebene Bayer Kraft bei seiner Familie und «echten Freunden». Zudem bieten der Leseratte («Lesen ist eine Leidenschaft») Bücher - beispielsweise des Psychoanalytikers Erich Fromm - Anregungen und Ablenkung. Auch bezüglich seiner offenen Zukunft in Stuttgart angesichts des zum Saisonende auslaufenden Vertrags. Noch hat Heldt Hitzlsperger kein Angebot vorgelegt, was von einigen als Indiz dafür ausgelegt wird, dass der Kapitän ohne deutliche Leistungssteigerung nach vier Jahren von Bord muss. «Ich warte ab und frage den VfB nicht, wann er auf mich zukommt», sagte Hitzlsperger dazu.

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