Bayer enteilt Bayern - Stürmer in der Kritik

Düsseldorf (dpa) - 04.10.2009, 13:46 Uhr
Bayer enteilt Bayern - Stürmer in der Kritik
Nürnbergs Keeper Raphael Schäfer fängt den Ball vor Leverkusens Stefan Kießling ab.

Bayer top, Bayern ein Flop: Trainer-Routinier Jupp Heynckes lässt mit Leverkusen derzeit nicht nur den schöneren, sondern auch den erfolgreicheren Fußball als sein ehemaliger Club Bayern München mit Louis van Gaal spielen.

Während der bayerische Millionen-Sturm nach der Nullnummer gegen den 1. FC Köln seine drei Spiele währende Torflaute beklagte, setzte die Werkself mit dem 4:0 gegen den harmlosen Aufsteiger 1. FC Nürnberg die Glanzpunkte. Mit dem besten Ligastart der Clubgeschichte enteilte Bayer dem Rivalen schon um acht Punkte. Gleichwohl ist der Titel für Heynckes kein Thema. «Wir lassen uns nicht von der Euphorie anstecken.» Auch der Finne Sami Hyypiä wiegelte trotz der komfortablen Lage nach acht Spieltagen ab: «Viele wollen den Titel, doch wir haben erst Oktober.»

Derweil lecken die Bayern ihre Wunden. «Noch sind wir früh in der Saison und es ist alles möglich. Aber der Rückstand ist schon gewaltig und es wird immer schwieriger», mahnte Philipp Lahm. Sorgen bereitete dem Rekordmeister trotz des großen Chancen-Plus gegen Köln die Torflaute der hochgelobten Offensive um die formschwachen DFB- Stürmer Miroslav Klose und Mario Gomez. «Man muss in einem Heimspiel ein Tor machen. Es ist einfach zum Kotzen», jammerte Bastian Schweinsteiger nach dem misslungenen «Wiesn»-Abschluss. Ohne den am Knie operierten Arjen Robben und den zur Pause ausgewechselten Franck Ribery (Knie) scheint der FC Bayern nur die Hälfte wert.

Auch beim VfL Wolfsburg steht ein Stürmer in der Kritik. Ausgerechnet der «Fußballer des Jahres» Grafite sorgte nach dem 1:1 beim VfL Bochum für Misstöne. «Ich habe eine Geschichte in diesem Club und ein bisschen mehr Respekt verdient», klagte der aus dem Tritt geratene brasilianische Torschützenkönig der Vorsaison. Für die Maßnahme von Armin Veh, der ihn kurz nach der Pause auswechselte, brachte er kein Verständnis auf: «Ich bin keine 20 Jahre mehr.»

Die Glanzpunkte setzen momentan andere: Den klaren Sieg der Leverkusener, die schon 20 Punkte sammelten, leitete Bayern- Leihspieler Toni Kroos mit einem herrlichen Freistoßtor nach 106 Sekunden ein. Die übrigen Treffer steuerten Kapitän Simon Rolfes, Eren Derdiyok und Stefan Kießling bei. Viele Experten wundern sich, dass der zurzeit formstärkste deutsche Stürmer (6 Saisontore) von Bundestrainer Joachim Löw nicht für die WM-Qualifikationsspiele in Russland und gegen Finnland nominiert wurde.

Unter Ladehemmung leiden auch die Borussen-Profis aus Mönchengladbach. Fünf Pflichtspiel-Niederlagen nacheinander und 344 torlose Minuten haben die Elf von Michael Frontzeck verunsichert. «Wir haben die Unbekümmertheit und Sicherheit verloren und sind im Abstiegskampf angekommen, räumte Borussia-Sportdirektor Max Eberl nach dem 0:1 gegen Borussia Dortmund ein. Für den BVB kam der mühsam erkämpfte «Dreier» nach sechs Spielen ohne Sieg gerade noch rechtzeitig, um den freien Fall zu stoppen. Endlich traf «Welttorjäger» Lucas Barrios auch in der Liga. «Das ist eine absolute Erleichterung», sagte Mats Hummels.

Was Tore anging, war ausgerechnet in Hannover am meisten los. Sechsmal waren die 96er in zuvor sieben Spielen erfolgreich, doch beim 5:2 gegen den SC Freiburg platzte der Knoten. Sofian Chahed, Arnold Bruggink, Haggui, Didier Ya Konan und Sergio Pinto sowie die Freiburger Ivica Banovic und Julian Schuster sorgten für das Schützenfest. «Fünf Tore sind schon eine Hausnummer», sagte Hanno Balitsch nach dem ersten Heimsieg seit April.

Im Zeichen der Trainer stand die Partie zwischen dem FSV Mainz und 1899 Hoffenheim. Dass Fußball-Lehrer Ralf Rangnick von seinem einstigen Musterschüler beim 1:2 eine taktische Lehrstunde erhielt, war nicht erwartet worden. «Man könnte jetzt die Geschichte vom Zauberlehrling erfinden», sagte FSV-Präsident Harald Strutz über den mit 36 Jahren jüngsten Bundesliga-Coach, Thomas Tuchel. Rangnick dagegen war völlig bedient nach dem überheblichen Auftritt der Elf und dem verpassten Sprung auf Platz drei.

Diesen Rang hat nun der unter Felix Magath sportlich auferstandene FC Schalke 04 inne. In Gelsenkirchen feierten die Fans beim 2:0 gegen Eintracht Frankfurt einen Stürmer, den viele schon auf dem Abstellgleis wähnten. Gerald Asamoah leitete als «Joker» den Erfolg ein und strahlte am Vorabend seines 31. Geburtstages über das ganze Gesicht. «Es ist ein Super-Gefühl. Ich habe ja lange nicht mehr getroffen, deswegen freue ich mich jetzt besonders.»