Katja Kraus - Einzige Vorstandsfrau im Fußball
Hamburg (dpa) - 30.09.2009, 09:17 Uhr
Katja Kraus ist seit sechs Jahren im Vorstand des Hamburger SV.
Katja Kraus ist die einzige Führungsfrau im deutschen Fußball und bleibt auch nach sechs Jahren im Vorstand des Hamburger SV eine Exotin. Ob in den Gremien des Vereins oder bei Tagungen der Deutschen Fußball-Liga, die 38 Jahre alte ehemalige Nationaltorhüterin ist meist allein unter Männern. «Mein großer Vorteil ist, dass ich selbst Fußball gespielt habe, deshalb werde ich auch in Fachgesprächen ernst genommen», erzählt die Hessin. Die Bilanz ihres Arbeitsfeldes Kommunikation, Marketing und Merchandising könnte eindrucksvoller kaum sein: Die Zuschauerzahlen sprengen mit einem Schnitt von 56 000 seit Jahren alle Rekorde, die Mitgliederzahl des Traditionsvereins ist bis auf fast 59 000 in die Höhe geschnellt und in Hamburg ist es wieder chic, ein HSV-Trikot zu tragen. Das ist auch ein Verdienst der Frankfurterin Kraus, die sich vornahm, die altmodische «Marke HSV» aufzupeppen. «Studien haben ergeben, dass Manchester United die bekannteste Marke der Welt ist, noch vor Coca Cola. Und Real Madrid hat gerade Walt Disney überholt», schwärmt Kraus, die mit dem FSV Frankfurt zweimal deutscher Meister wurde und nach dem Studium der Politologie und Germanistik zunächst Pressesprecherin bei Eintracht Frankfurt wurde. Der Job war begehrt, und als Anfängerin im rauen Fußball- Geschäft wurde ihr viel Skepsis entgegengebracht.
Beim Vermarkter Sportfive lernte der heutige HSV- Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann sie zu schätzen und holte sie kurz nach seinem Wechsel zum hanseatischen Fußballclub an seine Seite. Ein Verdienst des Wirtschaftsmannes Hoffmann - aber auch von seiner Ideengeberin Kraus - ist es, dass der Umsatz des Vereins binnen fünf Jahren von 66 auf 140 Millionen Euro stieg. Eine wirtschaftliche Krise sieht anders aus, zumal es scheinbar immer neue Expansionsmöglichkeiten gibt. Mit mehr als 200 000 Euro pro Jahr gehört Kraus allerdings zu den bescheidenen Verdienern in der Fußball-Branche. Mit Ideen wie dem «Kidsclub» und der Fußballschule für Kinder zieht der Verein aus dem ganzen norddeutschen Raum den Fan-Nachwuchs selbst heran. «Ich bin immer wieder überrascht, wie sehr man die Menschen über Fußball erreichen kann», sagt Kraus, die trotz des wirtschaftlichen Booms die soziale Verantwortung nicht vergisst. Sie legt Wert auf Engagements in den Brennpunkten der Stadt und klimaneutrale Reisen, könnte stundenlang über neue Projekte reden, die ihr ebenso am Herz liegen wie der Erfolg der Bundesliga- Mannschaft. |