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Polizeigewerkschaft: Freitags keine «Risikospiele»

Gelsenkirchen (dpa) - 20.08.2009, 17:38 Uhr

Ein Großaufgebot der Polizei soll Ausschreitungen bei einem Fußball-Spiel verhindern.
Ein Großaufgebot der Polizei soll Ausschreitungen bei einem Fußball-Spiel verhindern.

Zwischen der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Nordrhein-Westfalens und der Deutschen Fußball Liga (DFL) gibt es Meinungsverschiedenheiten bei der Bundesliga-Spielplangestaltung.

Die GdP forderte in Gelsenkirchen, «dass Bundesliga-Spiele nicht ausschließlich nach kommerziellen Verwertungsinteressen» terminiert werden, sondern bei der Festlegung des Spielplans auch Sicherheitsaspekte eine Rolle spielen müssten. Es müsse sichergestellt werden, «dass brisante Spiele mit einem hohen Gewaltpotenzial nicht ausgerechnet an einem Freitagabend stattfinden», erklärte der nordrhein-westfälische GdP-Vorsitzende Frank Richter.

«Die DFL nimmt bei der Spielplangestaltung grundsätzlich Rücksicht auf polizeiliche Besonderheiten wie etwa politische Gipfeltreffen. Ansonsten sind alle unsere Ansetzungen mit der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze abgestimmt. Und mehr, als dies abzustimmen, können wir nicht. Darüber hinaus sehen wir keinen weiteren Handlungsbedarf», sagte der bei der DFL für die Spielpläne zuständige Holger Hieronymus auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) sorgt seit mehr als 15 Jahren durch bundesweite Arbeit für mehr Sicherheit im Zusammenhang mit Sportveranstaltungen.

Richter sprach sich zudem gegen eine in den vergangenen Monaten in der Öffentlichkeit diskutierte finanzielle Beteiligung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) an den Kosten der Polizei-Einsätze im Umfeld von Fußballspielen aus. «Die Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit ist Aufgabe des Staates. Sie ist Aufgabe der Polizei und nicht Aufgabe privater Vereine», erklärte Richter. Für Fußballspiele gelte nichts anderes als etwa für Karnevalsumzüge oder für eine Fronleichnamsprozession. «Auch dort käme niemand auf die Idee, die Veranstalter für den Polizeieinsatz zur Kasse zu bitten», hieß es.

Auch der Präsident des DFB, Theo Zwanziger, hat erneut energisch Forderungen zurückgewiesen, die Vereine sollten sich an den Kosten für Polizeieinsätze bei Fußballspielen beteiligen. Dies wäre eine «himmelschreiende Ungerechtigkeit», sagte Zwanziger am Rande des Treffens der Unions-Innenminister in Chemnitz. Allein der Ordnungsdienst in den Stadion koste die Clubs rund 20 Millionen Euro im Jahr, außerdem würden die Vereine jedes Jahr etwa 700 Millionen Euro an den Fiskus überweisen. Von den jährlich rund 80 000 Fußballspielen werden etwa 1900 als Risikospiele eingeschätzt.


Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) forderte dagegen von der DFL eine Gebühr von 75 Millionen Euro je Saison. Die DFL kassiere «gigantische Summen, der Staat geht leer aus, so darf das nicht weitergehen», hieß es in einer Erklärung. Die DFL kassiere Milliarden, «die Polizei kassiert nur Prügel, das muss aufhören». Mit den 75 Millionen Euro sollten wenigstens die Überstunden der Polizisten «anständig bezahlt» werden können. Dieser Betrag entspreche etwa der Hälfte der tatsächlichen Personalkosten für die Polizei bei Fußball-Einsätzen.

Unter dem Titel «Fußball ohne Gewalt ­ eine Chance für NRW» diskutierten in Gelsenkirchen mehr als 150 Polizeipraktiker aus Nordrhein-Westfalen, Entscheidungsträger des Innenministeriums, Vertreter des DFB und der Fan-Projekte über Maßnahmen zur Eindämmung der Gewalt bei Fußballspielen.

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