96 bei Trainersuche in Not: Bergmann nur auf Probe
Hannover (dpa) - 20.08.2009, 15:03 Uhr
Andreas Bergmann übernimmt vorerst das Mannschaftstraining in Hannover.
Mit seinem überraschenden Rücktritt hat Dieter Hecking den Bundesligisten Hannover 96 in eine peinliche Situation gebracht. Der niedersächsische Fußballclub hat trotz der seit Monaten schwelenden Krise keinen Notfall-Plan und versucht es nun mit einem Trainer auf Probe. Für mindestens zwei Spiele wird der bisherige Amateurcoach Andreas Bergmann die Profis übernehmen, doch der 50-Jährige darf auch auf mehr hoffen. «Wir werden dann schauen, welche Auswirkungen das hat», sagte Sportdirektor Jörg Schmadtke. «Die Möglichkeit besteht auch, dass wir daraus ein längeres Engagement hinbekommen.» In Hannovers Zeitungen werden bereits große Namen wie Lothar Matthäus und Otto Rehhagel gehandelt, doch 96 hat sich zunächst für die kleinste aller Lösungen entschieden. Aber nur im Erfolgsfall darf der ehemalige St.-Pauli-Coach länger mit Hannovers Profis arbeiten. «Andreas Bergmann hat bis auf weiteres unser vollstes Vertrauen, und unsere volle Unterstützung», sagte Schmadtke. Und fügte an: «Es wäre unappetitlich gegenüber Andreas, jetzt zu sagen, wir sind auf Trainersuche.» Gleichwohl will Schmadtke nun ein Anforderungsprofil für den neuen Coach erstellen: «Das gehört natürlich dazu.»
Hecking hatte 96 auf dem falschen Fuß erwischt. «Es wäre ja merkwürdig, wenn wir einen Plan herausziehen würden und wir hätten morgen einen neuen Trainer», sagte Schmadtke. Tatsächlich scheint es aber merkwürdig, dass der Verein trotz der seit Monaten währenden Trainerdiskussion über keine Alternativen nachgedacht hat. «Wir haben keine Liste mit Kandidaten», versicherte Clubchef Martin Kind. «Wir werden sehen, wie lange es dauert», sagte der Sportdirektor über Bergmann - und verschaffte sich selber damit Zeit für die Suche. Die Verantwortlichen müssen erstmal «die Geschichte ein bisschen sacken» lassen. «Wenn wir eine Lösung haben, melden wir uns.» Klappt es mit Bergmann, wäre das zumindest die preiswerteste Variante für den klammen Verein. |
«Für mich ist das erstmal ein Riesending, so eine Mannschaft leiten zu dürfen. Ich traue mir das zu», sagte Bergmann und überraschte mit der Aussage: «Ich denke nicht, dass ich auf Probe bin.» Allerdings schränkte er ein: «Wenn es nichts wird, dann gehe ich gerne zu meiner alten Aufgabe zurück. Ich habe nichts zu verlieren.» Hecking hat Kind und Schmadtke überrumpelt, als er bei der Krisensitzung nicht die erhoffte Rückendeckung erhielt. Clubchef Kind, sonst ein Freund der Hire-and-Fire-Methode, wirkte geschockt. «Ich hätte es begrüßt, wenn Herr Hecking weitergemacht hätte, auch mit den bekannten Problemen», sagte der 96- Vorstandsvorsitzende. «Das Geschäft ist brutal.» Elf Trainer und sieben Manager hat der mächtige Mann im Club in seiner rund elfjährigen Amtszeit bisher verschlissen. Doch bei Hecking wirkte der sonst so zupackende Unternehmer zögerlich. Hecking räumte unterdessen Probleme im Verhältnis zur Mannschaft ein. «Irgendwo mitten zwischen Rissen und Sachen, die ganz normal sind in einer Mannschaft - irgendwo in der Mitte liegt die Wahrheit», sagte Hecking der Deutschen Presse-Agentur dpa. Der Rücktritt «war spontan, aber dennoch ein konsequenter Schritt. Ich hatte am Ende einfach das Gefühl, als derjenige dazustehen, der alles bremst», nannte der Coach als Beweggründe. «In den vergangenen Tagen hatte sich viel aufgestaut. Die Situation war sehr unübersichtlich geworden, vor allem durch unsere schlechten Ergebnisse zum Saisonbeginn», ergänzte Hecking. Noch am Samstag hatte er nach dem 1:1 gegen Mainz einen Rücktritt ausgeschlossen. «Das war auch in der Tat so», betonte Hecking. Es habe aber keinen Sinn gemacht, «immer nur weiter von Spiel zu Spiel zu denken und das Trainer-Thema jede Woche aufs Neue zu bewerten.»
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