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Zé Roberto: Titel holen als Selbstverständlichkeit

Hamburg (dpa) - 06.08.2009, 12:55 Uhr

Zé Roberto fühlt sich noch genauso fit wie zehn Jahre zuvor.
Zé Roberto fühlt sich noch genauso fit wie zehn Jahre zuvor.

Hamburg (dpa) - Mit 35 Jahren kann es sich Zé Roberto erlauben, auf dem Feld eine etwas ruhigere Kugel zu schieben.

«Früher bin ich drauflosgelaufen, ohne nachzudenken. Jetzt laufe ich weniger, denke aber mehr», sagt der Routinier, den der FC Bayern verlor, weil Uli Hoeneß ihm wegen seines Alters ebenso wie Mark van Bommel nur einen Einjahresvertrag anbot. Der Brasilianer fühlt sich allerdings so fit wie vor zehn Jahren und will nun mit dem Hamburger SV, wo er die nächsten zwei Jahre das junge Team anführen soll, ganz oben angreifen. Zé Roberto: «Titel zu holen ist für mich eine Selbstverständlichkeit.»

Mit den Münchnern, zu denen er 2002 von Bayer Leverkusen wechselte, gewann der brillante Techniker viermal das Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal. Mit Real Madrid wurde er 1997 Meister, mit Leverkusen stand er im Finale der Champions League. «Ich bin genauso fit wie in Leverkusen, wo ich meine beste Zeit hatte», behauptet José Roberto da Silva, wie er richtig heißt. Im Heimaturlaub hält er sich nicht wie einige Kollegen in Samba-Discos oder beim Rodeo-Reiten auf, sondern trainiert täglich auf dem eigenen Fußballplatz bei Sao Paulo und im Fitness-Studio.

Ansonsten kümmert sich der gläubige Christ und Anti-Alkoholiker um seine Stiftung für bedürftige Kinder, liest in der Bibel oder spielt mit seinem neunjährigen Sohn Endrik. «Zé ist total fit. Er ist wie eine Maschine, kann immer Gas geben», sagt Mitspieler Piotr Trochowski.

Der Antreiber auf dem Platz, der privat wie ein Asket lebt, hatte nie mit schweren Verletzungen zu kämpfen. Für den Verbleib in Deutschland schlug er lukrative Angebote aus den USA, den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie von Manchester City aus und verzichtete auf einige Millionen Euro. Mit rund 3,5 Mio Euro Jahressalär geht es ihm in seiner elften Bundesliga-Saison aber auch beim HSV nicht schlecht.

Er wollte seine drei Kinder nicht an eine neue Kultur gewöhnen. Die Familie - er ist mit seiner Jugendliebe Luciana verheiratet - steht inzwischen vor seinen eigenen Berufszielen. «Ich bin nicht so oft der Chef zu Hause», bekennt er offen. Zwar ist das Heimweh wie bei allen Südamerikanern im kalten deutschen Winter groß, dennoch spielt der Vorzeige-Fußballer mit dem Gedanken, Deutscher zu werden. «Ich fühle mich jetzt schon als halber Deutscher, meine drei Kinder sind hier geboren, wir wollen nach der Karriere bleiben. Den deutschen Pass werde ich irgendwann beantragen», sagte er der «Sport Bild». Die Mindestvoraussetzung hat er schon erfüllt: Zwischen 1998 und 2006 acht Jahre in Folge in Deutschland gearbeitet.


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