Substanz statt Schlagzeilen: «Club» vor neuem Anlauf
Nürnberg (dpa) - 06.08.2009, 10:22 Uhr
Martin Bader ist nach dem Rücktritt von Präsident Roth der starke Mann beim 1. FC Nürnberg.
Der Betriebsunfall des erneuten Bundesliga-Abstiegs wurde repariert, nun will sich der 1. FC Nürnberg endgültig von seinem Negativ-Image als Fahrstuhl-«Club» verabschieden. «Wir werden versuchen, die Nachhaltigkeit diesmal etwas länger zu wahren», kündigte Manager Martin Bader schon unmittelbar nach der direkten Rückkehr ins Fußball-Oberhaus an. Substanz statt Schlagzeilen: Ungewohnt ruhig ging es in den vergangenen Wochen beim einstigen «Chaos-Club» zu. Kein verbaler Querschläger störte die Vorbereitung auf das neue fränkische Bundesliga-Abenteuer, auch die erste Pflichtaufgabe im DFB-Pokal wurde vom Team von Trainer Michael Oenning unaufgeregt und ohne größere Mühen genommen. «Man muss sich erst einmal kneifen, dass wir nun nicht mehr Oberhausen, sondern wieder den FC Bayern auf dem Spielplan haben», hatte Bader vor zwei Monaten den siebten Bundesliga-Aufstieg der wechselvollen Vereinsgeschichte bejubelt. Vor allem dank der jungen Wilden im Team der Franken wurde die direkte Bundesliga-Rückkehr nach einer Zweitliga-Saison voller Rückschläge am Ende doch noch zu einem guten Ende gebracht. Und auch in der deutschen Eliteliga setzt der «Club» neben Routiniers wie Marek Mintal, Torhüter Raphael Schäfer und dem wieder genesenen Abwehrchef Andreas Wolf ganz auf seine junge Mannschaft. «Sie genießt unser volles Vertrauen», betont Bader. «Die Struktur in der Mannschaft stimmt.»
Nach dem erstaunlich unspektakulären Abgang des langjährigen Präsidenten Michael A. Roth ist Bader, dessen Vertrag zeitgleich bis 2012 verlängert wurde, endgültig zum starken Mann beim neunmaligen deutschen Meister aufgestiegen. Schon 2007 gelang unter seiner Regie mit dem Pokalsieg der größte Erfolg seit fast 40 Jahren, mit der mutigen Verpflichtung von Trainer Oenning machte der Manager einen wichtigen Coup perfekt. Die Fans zahlen es zurück: Mit 28 000 verkauften Dauerkarten erreichte der «Club» eine Rekordmarke. Trainer-Neuling Oenning gilt bei den «Club»-Fans als Vater des Aufstiegserfolgs, doch der Münsterländer dämpft vor seiner Reifeprüfung in der Bundesliga die in Fußball-Franken stets riesigen Erwartungen. «Unser realistisches Ziel ist der Klassenerhalt. Wir müssen versuchen, die Euphorie hier zu befriedigen, in dem Wissen, dass wir häufiger verlieren werden. Der Erfolg wird jetzt anders definiert», sagte Oenning zum Neuanfang in der Bundesliga. Beim angestrebten Ziel, den Altmeister endlich in sichereres Fahrwasser zu führen, sind die «Club»-Oberen aber vor allem auf nackte Ergebnisse angewiesen - und hoffen deshalb auf einen guten Start in das neue Bundesliga-Abenteuer. «In der Liga müssen wir sehen, dass wir dort schnell Fuß fassen», mahnt Oenning vor dem schweren Start am Samstag gegen Schalke 04. Dass der fränkische Traditionsclub Ruhe und Gelassenheit dringend nötig hat, hatte Roth seinen Nachfolgern bei seinem Abgang noch einmal eindringlich ins Stammbuch geschrieben. «Ich weiß, dass es wahnsinnig schwer ist, den 1. FC Nürnberg zu führen. Es haben sich schon so viele vor mir eine blutige Nase geholt. Ich hoffe, dass diese Zeit vorbei ist.»
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