Labbadia setzt beim HSV auf Eigen-Antrieb
Randers (dpa) - 30.07.2009, 10:33 Uhr
Bruno Labbadia führt den HSV in die neue Sasion.
Mit 43 Jahren gehört Bruno Labbadia zur Garde der jungen Bundesliga-Trainer, aber als Kumpeltyp eignet er sich nicht. Sollten einige der Fußball-Profis des Hamburger SV gedacht haben, nach dem knurrigen Huub Stevens und dem väterlich-distanzierten Martin Jol käme nun ein Übungsleiter, der es locker angehen lässt, haben sie sich gewaltig getäuscht. Frank Rost ist der einzige im Kader, von dem sich der ehemalige Coach von Bayer Leverkusen duzen lässt - und das auch nur, da er mit dem Keeper noch zusammenspielte. Ansonsten tut er alles, um eine Kuschel-Atmosphäre zu vermeiden. Die Profis müssen bis morgens um neun Uhr in den Katakomben der Arena am Volkspark gefrühstückt haben, beim gemeinsamen Essen dürfen sie erst aufstehen, wenn alle fertig sind, und das Fahrstuhlfahren ist unter Labbadia sogar verpönt. Disziplin war Stevens' Zauberwort, auch Jol war für seine Strenge bekannt, Labbadia setzt dagegen auf einen gut gesteuerten Eigen-Antrieb. «Er respektiert jeden von uns, erwartet umgekehrt aber auch Respekt ihm gegenüber», berichtet Guy Demel von den Erfahrungen im ersten Monat mit dem neuen Vorgesetzten.
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Der lebt wie ein Asket die Professionalität vor. Im Trainingslager in Längenfeld bereitete der frühere HSV-Stürmer bis in den späten Abend hinein mit seinem langjährigen Co-Trainer Eddy Sözer die Einheiten vor. Frühmorgens joggt er ein Stündchen allein, um den Kopf freizubekommen, wie der Vielbeschäftigte erklärt. «Bruno ist ein Besessener», sagt Sözer über den Weggefährten, mit dem er schon seit Labbadias erster Trainerstation bei Darmstadt 98 auf einer Wellenlänge liegt. Auf dem Übungsplatz wird nun auch wieder viel mehr kommuniziert, Labbadia mischt sich ein, korrigiert und hat stets auch für die Verletzten am Rande ein Wort übrig. Mladen Petric: «Er achtet unheimlich viel auf Details. Jede Kleinigkeit ist ihm wichtig.» So passt ins Bild, dass Labbadia, der mit Leverkusen noch im DFB- Pokalfinale stand, den Familienurlaub auf Mallorca nach wenigen Tagen abbrach, als in Hamburg alles drunter und drüber ging. Da der nach kurzer gemeinsamer Planung ausgeschiedene Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer mit seinem Fachwissen fehlte, übernahm der Neue auch die Sichtung der Neuzugänge. Mit fast 24 Millionen Euro hat der HSV nun mehr ausgegeben als ursprünglich geplant. Labbadia ist zufrieden, steht aber trotz eines Dreijahresvertrags mehr denn je unter Erfolgsdruck bei einem Verein. «Wenn man sich den HSV aussucht, weiß man, dass man Druck hat», sagt der Südhesse. «Mein Plan ist, hier lange zu arbeiten, ich habe richtig Bock auf diesen Verein.» Mit seinem Elan hat er schon viele skeptische Hanseaten auf seine Seite gebracht, die angesichts seiner vielen Stationen als Profi und dem Abgang in Leverkusen an der Kontinuität gezweifelt haben. Begeistert gibt sich HSV-Idol Uwe Seeler: «Ich wünsche ihm ganz viel Glück, denn er ist ein feiner Kerl, der Fußball lebt und ein echtes Herz für Hamburg hat. Er hat viel Fußball-Sachverstand und sich von unten hoch gearbeitet. Das gefällt mir». Dass die Kicker mitziehen werden, davon ist Abwehrchef Joris Mathijsen total überzeugt: «Alle haben bei uns das Gefühl, dass wir noch nicht fertig sind. Wir wollen gemeinsam etwas gewinnen.»
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