Mainz schuftet für Mission Klassenverbleib
Flachau (dpa) - 15.07.2009, 11:22 Uhr
Jörn Andersen sitzt nach dem Aufstieg von Mainz auf dem Dach der Trainerbank.
Das idyllische Berg-Panorama im Salzburger Land lässt die zahlreichen Urlauber ins Schwärmen geraten, doch Jörn Andersen hat in diesen Tagen keinen Blick für die Schönheiten der Natur. In Flachau, der Heimat von Österreichs Ski-Idol Hermann Maier, bereitet der Coach des Bundesliga-Aufsteigers FSV Mainz 05 seine Mannschaft derzeit akribisch auf die Mission Klassenverbleib vor. «Jeder Aufsteiger muss das Ziel haben, nicht abzusteigen. Wir wollen in der Liga bleiben und wenn wir das schaffen, uns dort mittelfristig etablieren. Uns erwartet ein spannendes Jahr. Ich hoffe, dass die Mannschaft gut gerüstet in die Saison gehen kann», sagte Andersen in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die Voraussetzungen dafür sind allerdings nicht die besten. Momentan muss Andersen im Training gleich auf elf Spieler verzichten, darunter fünf Langzeitverletzte. Vor allem die monatelangen Ausfälle der Neuzugänge Eugen Polanski und Filip Trojan sowie von Chadli Amri schmerzen den Trainer. «Die tun uns richtig weh», räumt Andersen ein. «Das mit den Verletzungen der Spieler, die wir verpflichtet haben, ist sehr unglücklich gelaufen. Da kann man keinem einen Vorwurf machen, außer vielleicht den Ärzten, die die Spieler Trojan und vor allem Polanski behandelt haben. Das ist schon problematisch, aber wir jammern nicht», meinte Präsident Harald Strutz.
Obwohl die Rheinhessen mit einem Etat von 30 Millionen Euro, davon rund 15 Millionen Euro für die Lizenzspielerabteilung, finanziell keine großen Sprünge machen können, würde der Club-Chef noch einmal in die Schatulle greifen, um die drohende Personalmisere zu beheben. «Wir sind ein Verein, der nicht Millionen ausgeben kann, um einen Transfer zu schalten. Aber wir würden kein finanzielles Desaster erleben, wenn wir noch einen Spieler holen. Wir sind gewappnet und haben das Polster, zu reagieren», erklärte Strutz. Andersen schwebt ein Akteur für die rechte Mittelfeldseite vor, der die gleichen offensiven Qualitäten mitbringt wie der zu Borussia Dortmund abgewanderte Markus Feulner. «Wir benötigen einen, der den entscheidenden Pass spielt und auch selbst Tore macht. Den haben wir noch nicht. Ich habe Spieler im Blick, die ich gerne hätte. Aber viele sind für Mainz nicht finanzierbar. Darum müssen wir Geduld haben und schauen, was sich machen lässt», meinte der FSV-Trainer. |
Allerdings sehen die Mainzer keinen akuten Handlungsbedarf. «Wir werden im Trainingslager schauen, wie die Mannschaft mitzieht. Wenn wir damit zufrieden sind, werden wir wahrscheinlich nicht reagieren», sagte Andersen. Auch Strutz setzt zuvorderst auf das vorhandene Personal. «Wir haben eine Mannschaft, die den Aufstieg realisiert und das Gerippe hat, um in der Bundesliga bestehen zu können. Natürlich mit den Verstärkungen, die wir brauchen. Wir werden das mit der nötigen Gelassenheit und Euphorie angehen», sagte der 05-Präsident. Dem Saisonstart fiebert er wie alle Mainzer entgegen, auch wenn sich das große Kribbeln wie nach dem ersten Aufstieg der Vereinsgeschichte 2004 noch nicht eingestellt hat. «Eines ist gewiss: Am ersten Spieltag wird der Bruchweg wieder so beben und so viel Feuer haben, dass dann auch die Euphorie da ist», sagte Strutz, warnte aber zugleich vor zu hohen Erwartungen: «Wir wissen, dass wir mehr Spiele verlieren werden als in der 2. Liga. Daran müssen sich alle wieder gewöhnen.»
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