VfL «Wunderläufer» Sestak soll für Tempo sorgen
Bochum (dpa) - 01.05.2009, 10:57 Uhr
Bochums Trainer Marcel Koller (l) bedankt sich nach einem Spiel bei Stanislav Sestak.
Die Leichtigkeit ist bei Stanislav Sestak zurück, doch allen Kaufinteressenten für den slowakischen Stürmer will es der VfL Bochum möglichst schwermachen. «Wir haben keine Schmerzgrenze für ihn. Wir brauchen das Geld nicht und wollen ihn halten», kündigte VfL-Sportvorstand Thomas Ernst vor der Partie gegen Hannover 96 an. Im Vorjahr katapultierte sich Sestak mit 13 Treffern und neun Vorlagen in die Notizblöcke vieler Bundesliga-Manager, blieb diese Saison den Nachweis seiner Klasse aber lange schuldig. Erst als Bochums Trainer Marcel Koller ihn nach acht torlosen Spielen kurzzeitig auf die Ersatzbank verbannte, zeigte der «kenianische Wunderläufer» (Koller) wieder sein gewohntes Tempo. «Sein Akku war zwischendurch leer, nachdem er vorher alle Spiele gemacht hatte. Jetzt konnte er gegen hoch stehende Gegner seine überragende Schnelligkeit ausspielen», erklärte Koller den Formanstieg der vergangenen Wochen. In den Auswärtsspielen bei 1899 Hoffenheim (3:0) und Werder Bremen (2:3) nutzte Sestak als alleinige Sturmspitze seine Geschwindigkeit bei steil gespielten Bällen und erzielte alle fünf Bochumer Treffer.
Noch im Winter wollte Herbstmeister Hoffenheim den 26-Jährigen als Ersatz für den verletzten Vedad Ibisevic verpflichten. Der VfL «lehnte dankend ab» (Ernst), im Gespräch war eine Summe im einstelligen Millionenbereich. Was eine beachtliche Wertsteigerung gewesen wäre, denn vor zwei Jahren hatte der damalige VfL-Manager Stefan Kuntz den slowakischen Nationalspieler Sestak zum Schnäppchenpreis von 750 000 Euro von MSK Zilina nach Bochum gelotst. Doch in diesem Sommer ist der Revierclub nach eigenen Angaben schuldenfrei und will statt Transfereinnahmen auf Kontinuität im Kader setzen. «Stanislav Sestak hat Qualitäten wie wenige in der Liga, ist unglaublich schnell, hat Power, ist kaltschnäuzig im Abschluss», schwärmt Koller von seinem bestem Stürmer. Mit schöner Regelmäßigkeit bringt der VfL solch erstklassige Angreifer hervor. Allein in den vergangenen sieben Jahren schossen sich Thomas Christiansen (21 Tore - 2002/03), Vahid Hashemian (16 Tore - 2003/04) und Theofanis Gekas (20 Tore - 2006/07) in die Spitze der Torjägerliste. Doch ihre Karrieren dürften auch als Warnung für die weiteren Planungen von Sestak dienen: Alle drei suchten nach ihrer besten Saison das Glück fernab der Castroper Straße und stürzten in die sportliche Misere. Hashemian kehrte nach erfolglosen Stationen bei Bayern München und Hannover 96 nach Bochum zurück und blieb bislang ohne Tor. Christiansen konnte in Hannover nie an seine Leistungen anknüpfen, Gekas ist inzwischen von Bayer Leverkusen nach Portsmouth ausgeliehen worden. Noch scheint die Gefahr für Bochum gering, erneut einen Leistungsträger im Sturm zu verlieren - sollte der VfL weiter so schweigsam mit den Offerten der Konkurrenz umgehen. «Ich habe damals nicht gehört, dass ich nach Hoffenheim gehen kann», erzählte Sestak grinsend.
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