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KSC bejubelt Duseltor des Jahres - Völler wütend

Düsseldorf (dpa) - 26.04.2009, 11:33 Uhr

Die KSC-Spieler feiern den Sieg, Bayers Barnetta (l) sitzt enttäuscht auf dem Rasen.
Die KSC-Spieler feiern den Sieg, Bayers Barnetta (l) sitzt enttäuscht auf dem Rasen.

KSC-Jungprofi Sebastian Langkamp wurde nach seinem total verrückten Glücksschuss aus 46,5 Metern von seinen Profi-Kollegen wie ein Lebensretter gefeiert.

Das 1:0 des Tabellenletzten bei Bayer Leverkusen durch den Zufallstreffers des 21 Jahre alten Innenverteidigers vertrieb nach neun Spielen ohne Sieg erstmal die schlimmsten Krisensymptome und gab dem Karlsruher SC neue Hoffnung im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga. Bayer-Sportchef Rudi Völler stürmte unterdessen nach dem «Duseltor des Jahres» wütend aus der Kabine und giftete nach dem achten Heimspiel ohne Dreier: «Charaktertest nicht bestanden.» Man werde genau prüfen, welche Profis die richtige Arbeitseinstellung mitbrächten.

Strahlende Gesichter dagegen beim KSC. Das von vielen schon abgeschriebene Schlusslicht glaubt wieder fest an das Happy End. Langkamp gab frank und frei zu, dass sein erstes Bundesliga-Tor (72.) im achten Einsatz ein Glückschuss der Marke «Duseltor des Jahres» war. «Ein geiles Gefühl», jubelte Langkamp, der im Mittelkreis in einen Pass von Renato Augusto gerätscht war. Eigentlich nur, um den Ball zu klären. Nicht nur Langkamp war dann überrascht über die abenteuerliche Flugkurve des Balles, der sich über den weit aufgerückten und verdutzten Nationalkeeper Rene Adler («Solch ein Tor schießt er nur einmal in seinem Leben») hinweg ins Netz senkte.

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«Ich dachte, der Ball geht auf die Tribüne. Dass er dann so reingeht - da hatte ich natürlich nichts dagegen», sagte Langkamp. KSC-Coach Edmund Becker freute sich, dass sein Team - wenn auch glücklich - endlich für den großen Aufwand der Vorwochen belohnt wurde: «Nun müssen wir im Heimspiel gegen Cottbus nachlegen, sonst war das hier für die Katz.»

Die kollektive Erleichterung der Gäste stand in krassem Gegensatz zur totalen Ernüchterung beim Werksclub. «Wir müssen bei jedem schauen, wie es weitergeht. Man kann verlieren, aber nicht so!», wetterte Völler, «sicher war es ein unglückliches Gegentor. Aber bei einem 0:0 wäre meine Analyse auch nicht anders ausgefallen.» Völlers Gemütszustand wies Ähnlichkeiten auf zu seinem legendären Emotions-Ausbruch als Teamchef der Nationalelf am 6. September 2003 nach dem 0:0 in Island im ARD-Studio mit Waldemar Hartmann («Ich kann den Scheißdreck nicht mehr hören.»).


Doch anders als damals richtet sich sein Groll diesmal allein gegen die Herren Profis, die das Bayer-Trikot gegen den um seine letzte Chance kämpfenden Tabellen-Letzten aus Baden spazieren trugen. «In der Hinrunde sind wir für unsere tollen spielerischen Qualitäten gelobt worden. Aber das, was wir heute gezeigt haben, geht gar nicht! Da sind auch die 120 Minuten vom Pokalspiel gegen Mainz keine Entschuldigung. Das lassen wir uns nicht bieten», schimpfte Völler, der kurz vor der «Explosion» stand.

Der harschen Kritik schloss sich Bruno Labbadia an, der sich «die absolut blutleere Vorstellung» und «Bankrotterklärung» auch nicht erklären konnte. Für den Trainer war es «unverständlich», dass man vier Tage nach dem Einzug ins DFB-Pokalfinale an selber Stelle «nicht ein Stück Euphorie mitnehmen und den Aufwärtstrend fortsetzen» konnte. «Davon war 0,0 zu sehen. Aber wir sind es dem Verein und den Fans schuldig, uns anders präsentieren», so Labbadia. Er bezog sich in die Kritik ausdrücklich mit ein: «Als Mannschaft - und dazu zähle ich mich auch - haben wir uns katastrophal verkauft.»

Im auf Platz neun dümpelnden Bayer-Team, dem auch im sechsten Rückrunden-Spiel in der ungeliebten LTU arena kein Bundesliga-Sieg gelang, macht sich eine gefährliche Stimmung breit. Es mehren sich Hinweise, dass Labbadia einige Spieler mit seiner ewig gleichen Ansprache nicht mehr erreicht. Zudem ist Torjäger Patrick Helmes seit Wochen in der Krise, wurde zur Pause ausgewechselt. 709 Minuten ist der Nationalstürmer ohne Feldtor. «Wir werden jetzt viele Dinge ansprechen - wie wir uns verhalten und hier ergeben haben», meinte Labbadia. Eine Lösung hatte er noch nicht parat.

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