Hamburg (dpa) - Mit der Nationalmannschaft haben Frank Rost und Tim Wiese schon immer Probleme gehabt - die unbequemen Torhüter des Hamburger SV und Werder Bremen gehen aber ganz unterschiedlich damit um.
Während der 35 Jahre alte ehemalige Werder- und Schalke-Keeper an der Elbe zu einem Leader mit Managerqualitäten gereift ist, der seine Karriere im DFB-Trikot nach vier Einsätzen als abgeschlossen ansieht, lässt der Schlussmann von der Weser keine Gelegenheit aus, sich ins Spiel zu bringen. Natürlich meldete sich der 28-jährige Wiese auch empört zu Wort, als Jens Lehmann zuletzt von einem WM-Comeback in Südafrika 2010 sprach.
Wahrscheinlich würde es nicht nur Nationalcoach Joachim Löw gern sehen, wenn Wiese manche Wortwahl eine Nacht überschlafen würde. Auch die grün-weißen Giftfeile, die der geborene Rheinländer vor dem DFB-Pokal-Halbfinale zum Lokalrivalen schickte («Die wichtigen Spiele verlieren die Hamburger»), erhöhten nicht die Zahl der Wiese-Sympathisanten. Sprüche wie: «Ich liebe es, wenn die Luft brennt. Mit ihren Feuerzeugen treffen die Hamburger sowieso nicht», könnten keinen gegnerischen Fußball-Fan mehr provozieren.
Wiese sagt, er braucht das für sein Spiel. Sein Vorbild ist Oliver Kahn, der auch stets ausgepfiffen wurde. «Wir sind uns auch irgendwie ähnlich. Beide total ehrgeizig, selbst im Training. Wir geben immer 120 Prozent und hassen Niederlagen», sagt der forsche Keeper.
Rost dagegen hat es nicht mehr nötig, sich mit anderen zu vergleichen. Nach seinen Titeln mit Werder (Meister 1993, Pokalsieger 1994, 1999) ging er zu Schalke und hatte an der Seite des befreundeten Managers Rudi Assauer eine turbulente Zeit. Als Coach Mirko Slomka ihn auf die Bank verbannte, zögerte er nicht lange und wechselte im Januar 2007 zum damaligen Tabellenletzten HSV.
Seitdem haben die Hanseaten kein Torwartproblem mehr und Rost ist zum heimlichen Kapitän und verlängerten Arm des Führungspersonals geworden. Spieler wie Mohamed Zidan, der sich nur kurz zum HSV verirrte und dort mehr Interviews gab als Tore zu schießen, stutzte er dermaßen zurecht, dass der kleine Ägypter ganz kleinlaut wurde.
Auf dem Platz gibt er den jungen Abwehrspielern den nötigen Rückhalt und lebt mit seiner 1a-Einstellung das Profi-Dasein perfekt vor. «Frank ist ein sensationeller Torhüter», sagt Marcell Jansen, «ein echter Ruhepol, der uns mit seiner ganzen Erfahrung in den wichtigen Spielen weiterhilft». So konzentriert und fokussiert auf den Erfolg war Rost nicht immer. Auch er nahm nie ein Blatt vor den Mund, legte sich mit der Boulevard-Presse an und musste viel einstecken.
«Frank ist ein sehr guter Torwart, ehrgeizig und geradeheraus», betont Weggefährte Torsten Frings von Werder Bremen, «vielleicht hat er sich damit den Weg ins Nationaltor selbst ein bisschen verbaut. Er hat leider auch nie eine reelle Chance erhalten». Rost sagt: «Ich muss nicht immer konform sein. Viele können damit nicht umgehen, ich aber werde mich nicht ändern, und deswegen muss ich mit den Konsequenzen leben». Trotz außerordentlicher Leistungen in dieser Saison, in der er keine Partie ausließ, ist von dem gebürtigen Chemnitzer kein Wort mehr in Richtung Nationalmannschaft zu vernehmen. Die Gelassenheit ist mit den Jahren gekommen.