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Nach Hoffenheimer Absturz: Derby auf Augenhöhe

Karlsruhe (dpa) - 16.04.2009, 16:31 Uhr

Bei Ralf Rangnick und der TSG 1899 Hoffenheim läuft es in der Rückrunde nicht mehr.
Bei Ralf Rangnick und der TSG 1899 Hoffenheim läuft es in der Rückrunde nicht mehr.

Prügelnde Problem-Fußballer statt brillierende Ballartisten: Vor dem badischen «Krisen-Derby» in Karlsruhe hat die heile Welt bei den einstigen Himmelsstürmern von 1899 Hoffenheim große Risse bekommen.

«Jeder muss wieder bedingungslos für den anderen da sein», forderte Hoffenheims Coach Ralf Rangnick nach dem Absturz auf Rang sechs. Noch nie in der Bundesliga-Geschichte ist ein Herbstmeister so schnell so tief gefallen wie die Kraichgauer. Klafften vor dem Hinspiel (4:1 für Hoffenheim) noch Welten zwischen dem KSC und Hoffenheim, begegnen sich beide Teams am Samstag praktisch auf Augenhöhe - im Duell der schwächsten Rückrunden-Teams (Hoffenheim 9 Punkte, Karlsruhe 5).

Besonders in puncto Auftreten hat es in Hoffenheim eine Kehrtwende um 180 Grad gegeben. In der Hinrunde noch die Lieblinge der Nation, die mit begeisterndem Offensiv-Spiel ganz Fußball-Deutschland verzückten, haben sich die Rangnick-Schützlinge zu den bösen Buben der Liga entwickelt. Negativer Höhepunkt war die Tätlichkeit von Carlos Eduardo gegen Bochum. Für den Brasilianer war es bereits der dritte Platzverweis innerhalb eines Jahres. Rangnick hat bei dem exzellenten Techniker inzwischen resigniert. «Wir haben so viele Gespräche geführt», sagte der Coach dem «kicker». Weitere seien «zwecklos. Wir müssen andere Lösungen finden, um eine Verhaltens- Veränderung herbeizuführen.» Irgendwie muss Rangnick, der nach zweieinhalb-jähriger Tätigkeit erstmals Gegenwind bei seinem «Projekt Hoffenheim» verspürt, sein gesamtes Team wieder auf Kurs bekommen.

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Baustellen gibt es genug: Im Tor ist Timo Hildebrand wegen diverser Verletzungen bisher nicht die erhoffte Verstärkung, gegen den KSC wird nach der Roten Karte für Ersatzmann Daniel Haas der schon aussortierte Ramazan Özcan zwischen den Pfosten stehen. In der Abwehr fehlt nach den Ausfällen von Andreas Ibertsberger und Matthias Jaissle die Stabilität, auch weil Kurzzeit-Nationalspieler Marvin Compper seiner Form hinterherläuft. Gleiches gilt für Tobias Weis im Mittelfeld, wo wegen zahlreicher Umstellungen zudem die Kompaktheit fehlt. Und im Sturm hat sich Demba Ba nach dem Ausfall des nicht zu ersetzenden Vedad Ibisevic selbst zu viel Druck aufgelastet.

«Ich kann mich gar nicht mehr an alles erinnern, was in den vergangenen vier Monaten passiert ist. Das gibt mein Kurzzeit- Gedächtnis gar nicht her», meinte Rangnick. Club-Mäzen Dietmar Hopp hat bei all den Problemen bereits angedeutet, er sei auch mit einem einstelligen Tabellenplatz zufrieden. Doch dem widerspricht die Mannschaft. «Unser Ziel sollte ein UEFA-Cup-Platz bleiben», sagte Kapitän Compper. Doch dafür muss in Karlsruhe nach neun sieglosen Partien unbedingt ein Dreier her.

Beim KSC wären sie froh, wenn sie Hoffenheims Sorgen hätten. Für die Gastgeber geht es schlichtweg um die Existenz, nur ein mittleres Wunder kann das Team von Edmund Becker noch vor dem erneuten Absturz in die Zweitklassigkeit bewahren. 720 Minuten wartet Karlsruhe nun schon auf einen Treffer, da könnten die angeschlagenen Hoffenheimer gerade Recht kommen. Manager Rolf Dohmen gibt sich auf jeden Fall kämpferisch. «An Wunder glaube ich zwar grundsätzlich nicht. Aber ich bin überzeugt, dass wir die drei Punkte hierbehalten werden», sagte Dohmen vor dem Derby, für das aus Hoffenheim rund 400 Eintrittskarten zurückgeschickt wurden. Auch ein Zeichen von Sympathie-Verlust.


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